<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829</id><updated>2012-02-11T19:38:08.279+01:00</updated><title type='text'>matthias jung</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>13</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-5087721690180926170</id><published>2012-02-11T18:22:00.000+01:00</published><updated>2012-02-11T18:22:52.728+01:00</updated><title type='text'>Eiszeit...</title><content type='html'>14 Tage Dauerfrost, morgen soll es wärmer werden. Ich mache mich gut eingepackt mit der Kamera auf zur Schleuse Friedrichsfeld am Wesel-Datteln-Kanal und zur Lippe. Die Ergebnisse gibt es hier zu sehen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/matthias-jung/sets/72157629272807249/" target="_blank"&gt;&lt;span style="font-size: large;"&gt;Eiszeit&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-5087721690180926170?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/5087721690180926170/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2012/02/eiszeit.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5087721690180926170'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5087721690180926170'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2012/02/eiszeit.html' title='Eiszeit...'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-1486532990367935321</id><published>2012-02-08T17:09:00.000+01:00</published><updated>2012-02-08T17:09:51.604+01:00</updated><title type='text'>Autobiografische Annäherung an »Bonhoeffer« von Eric Metaxas (Rezension)</title><content type='html'>Von Dietrich Bonhoeffer habe ich Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal gehört. In unserer evangelikal geprägten Jugendarbeit meiner Heimatgemeinde beschäftigten wir uns mit alternativen geistlichen Lebensformen und so habe ich auch Bonhoeffers Buch »Gemeinsames Leben« gelesen. Genau weiß ich das nicht mehr, aber vermutlich in der selben Zeit habe ich »Widerstand und Ergebung« gelesen, die Gefängnisbriefe. Damals habe ich die Sprengkraft der Texte mehr geahnt, gespürt, dass dieser Mann mehr zu erzählen hat, als die eingeschränkte Wahrnehmung meiner frommen Jugendleiter(innen) es wahrhaben wollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Studium in Marburg Anfang der achtziger Jahre saß ich in Vorlesungen und Seminaren bei Wolfgang Huber, der sich damals intensiv mit Bonhoeffer auseinandersetzte und uns junge Studentinnen und Studenten daran teilhaben ließ. Ich schrieb eine Seminararbeit über Konziliarität bei Bonhoeffer und las dazu all die Texte aus den frühen dreißiger Jahren, als es um die innerkirchliche Auseinandersetzung mit den Deutschen Christen und damit um die Frage nach der »wahren« Kirche ging. In diesen Jahren veröffentlichte Huber auch sein Buch »Folgen christlicher Freiheit«, welches bis heute für mich in manchen Punkten wesentliches zur Aufgabe und Struktur der Kirche sagt und das von der Auseinandersetzung mit Bonhoeffer (und der Barmer Theologischen Erklärung) lebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mitte der achtziger Jahre las ich dann die große Biografie von Eberhard Bethge, die auf vielen hundert Seiten das Leben und das Wirken Bonhoeffers darstellt. Damals fand ich die Ernsthaftigkeit dieses Theologen faszinierend, der Denken und Leben ganz eng zusammen dachte und bereit war, für seine Überzeugungen einzustehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In meiner Gemeindearbeit in den letzten zwanzig Jahren kam Bonhoeffer immer wieder mal vor. Texte von ihm verwendete ich in Predigten, sein Glaubensbekenntnis sprachen wir im Gottesdienst (seit es im Evangelischen Gesangbuch abgedruckt ist). Aber nach und nach entschwand er doch aus meiner alltäglichen Praxis. Auch in die Biografie von Bethge habe ich seit Jahren nicht mehr hineingeschaut. Von der in den letzten Jahrzehnten erschienenen Werkausgabe besitze ich keinen einzigen Band – die Preise sind einfach exorbitant. Ich dachte oft, wie schade, da ich doch wusste, dass diese Werkausgabe viele Texte Bonhoeffers noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lassen als die frühen Ausgaben. Auch in der Arbeit an meiner Dissertation spielte Bonhoeffer überhaupt keine Rolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann hörte ich Ende letzten Jahres von der Biografie »Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet« des Amerikaners Eric Metaxas. Sie wurde in manchen Rezensionen geradezu euphorisch gefeiert. Das machte mich zwar vorsichtig, aber neugierig war ich doch und wünschte es mir zu Weihnachten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anfang 2012 habe ich es dann in wenigen Tagen gelesen – mehr als 700 Seiten. Der Anfang hat mich reichlich irritiert, ich dachte, was schreibt der denn da...? Episch lange Beschreibungen über die Familie, die Wohnorte der Kindheit, das alltägliche Leben, vermischt mit zeitgeschichtlichen Notizen. Es hat gedauert, bis mich diese Mischung anfing zu faszinieren. Metaxas versucht, das Leben und Denken Bonhoeffers in einem ständigen Hin- und Her zwischen Theologie, Alltäglichkeiten und historischem Hintergrund lebendig werden zu lassen. Er zeichnet so ein lebendiges Porträt eines vielschichtigen Menschen, der seiner familiären Herkunft außerordentlich viel verdankt. Dabei gab es auch Brüche und Zweifel und wahrscheinlich auf depressive Momente. Das Hin- und Her der Wochen in Amerika im Juni/Juli 1939 vor der Rückkehr nach Deutschland schildert Metaxas z.B fast minutiös und eindringlich, ich spürte einen richtigen Knoten im Bauch, ahnte die Seelenqualen eines Menschen auf der Suche nach seinem Weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besonders faszinierend fand ich die Beschreibung, dass Bonhoeffer seine Frömmigkeit, die er in »Gemeinsames Leben« beschrieben hat, bis zum Schluss praktiziert hat, aber sich stets von den »frommen« Verkürzungen auf das persönliche Glaubensleben nicht nur distanziert hat, sondern, ganz im Gegenteil, sich hierdurch herausgefordert fühlte, sich am Widerstand gegen Hitler aktiv zu beteiligen – eine Entscheidung, die ihn vermutlich nach dem Krieg seine Pastorenlaufbahn gekostet hätte, wenn er nicht hingerichtet worden wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vieles, vielleicht alles ist längst bekannt, auch Bethge hat dies alles bereits aufgeschrieben. Und doch ist das Buch spannend auch für mich zu lesen. Die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit räumt mit manchen Mythen auf, die sich um Bonhoeffer ranken – so gibt es ja neben der Verkürzung auf eine fromme Innerlichkeit auch die andere, die sich an den wenigen Zeilen in Widerstand und Ergebung hochzieht und die Bonhoeffer als Vorreiter eines »religionslosen« Christentums verehrt(e).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich bei der Lektüre gefragt, wo ich die Unterschiede zu der Biografie Bethges festmachen würde. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit Metaxas sich tatsächlich an den heutigen Stand der Bonhoefferforschung hält. Meine These lautet aber, dass er Bonhoeffer viel persönlicher zeichnet als Betghe vor mehr als vierzig Jahren. Eigentlich paradox, war doch Bethge einer der engsten Freunde, wenn nicht sein stärkster Vertrauter. Doch genau, so meine Vermutung, da ist der Unterschied markiert: der enge Freund hält sich zurück und schildert Bonhoeffer distanzierter, der heute lebende Journalist wagt es, Bonhoeffer viel persönlicher zu schildern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus diesem Grund halte ich das Buch sowohl für Menschen interessant, die schon lange mit den Texten und Gedanken Bonhoeffers unterwegs sind, manch vertrautes wird noch einmal in ein neues Licht gestellt. Und für diejenigen, die sich erstmals mit dem Leben dieses evangelischen Theologen beschäftigen möchten, ist das Buch wegen seiner Mischung aus Denken, Leben und Zeitgeschichte spannend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An seinem Leben bewahrheitet sich für mich in sehr anschaulicher Weise das Bild von Hannah Arendt, die davon spricht, dass wir mit all unseren Handlungen letztlich nichts anderes tun, als Fäden in ein Gewebe zu flechten, das andere vor uns bereits gewebt haben. Bonhoeffer hat ein einzigartiges Gewebe vorgefunden, in das hinein er geboren wurde und er hat Fäden hineingewebt, die bis heute sichtbar sind, von Menschen aufgenommen und weiterverwebt werden. Nicht jeder Mensch findet in seinem Leben ein solch reichhaltiges Netzwerk vor und kann auf solche Ressourcen zurückgreifen wie Bonhoeffer. Mit dem Vorbildcharakter ist es daher immer so eine Sache. Wo er aber Vorbild sein kann, das ist seine konsequente und entschiedene Art, aus seinem Glauben heraus zu leben und zu denken. Von Gott gehalten und getragen zu sein, gab ihm eine innere Freiheit, die es ihm ermöglichte seinen Überzeugungen zu folgen und treu zu bleiben – koste es, was es wolle. Nicht jeder von uns bezahlt damit am Ende mit seinem Leben, aber ich las grade gestern in einem Blog über die fünf Dinge, die Sterbende am meisten in der Rückschau bereuen ( &lt;a href="http://www.inspirationandchai.com/Regrets-of-the-Dying.html" target="_blank"&gt;Link zum Blog&lt;/a&gt; ). Ganz oben steht in der Rangliste:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;»I wish I'd had the courage to live a life true to myself, not the life others expected of me.«&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, Bonhoeffer hätte das am Ende seines kurzen Lebens nicht gesagt. Und ich möchte es später auch nicht sagen. Ich hoffe, es gelingt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/Bonhoeffer-Pastor-Agent-M%C3%A4rtyrer-Prophet/dp/3775152717/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;amp;qid=1328717180&amp;amp;sr=8-1" target="_blank"&gt;Link zum Buch von Eric Metaxas auf Amazon&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-1486532990367935321?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/1486532990367935321/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2012/02/autobiografische-annaherung-bonhoeffer.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/1486532990367935321'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/1486532990367935321'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2012/02/autobiografische-annaherung-bonhoeffer.html' title='Autobiografische Annäherung an »Bonhoeffer« von Eric Metaxas (Rezension)'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-3601748625789699833</id><published>2012-01-07T12:33:00.000+01:00</published><updated>2012-01-07T12:33:28.205+01:00</updated><title type='text'>Occupy (und) Kirche - Eine Entgegnung auf Franz Segbers</title><content type='html'>Seit im Herbst 2011 Menschen vor der Wall Street Zelte aufstellten und mit dem Weckruf »Occupy Wall Street!« auf die Probleme des Weltfinanzsystems aufmerksam machen wollten, hat sich eine weltumspannende Bewegung entwickelt, die inzwischen sehr unterschiedliche Institutionen ins Visier genommen haben.&lt;br /&gt;Schaut man sich die mediale Berichterstattung an, dann fallen zwei Dinge auf: die evangelische Kirche ist weder als Subjekt noch als Objekt in diesen Vorgängen präsent. Franz Segbers hat sich dazu unter der Überschrift »Königin ohne Land« in den »Zeitzeichen« geäußert. Sein Artikel weist auf viele wichtige Aspekte hin, fordert mich aber auch zum Widerspruch heraus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;I. Schweigen ist mehr als Reden&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Segbers fragt sich, warum die evangelische Kirche diese Bewegung verschläft, warum Synoden nicht Stellung beziehen.  Die Frage ist berechtigt, weist aber auf eine  Zwickmühle hin, in der sich Kirche in unserer medialen Gesellschaft befindet. Natürlich wäre es schön, wenn »die Kirche« sich zu aktuellen Fragen pointiert und kompetent äußert. Es fragt sich aber, ob diese Erwartung nicht überzogen ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Wortflut zu allen möglichen Themen ergießt sich Tag für Tag ins Land. Ich bin selber seit langem Mitglied des sozialethischen Ausschusses der EKiR und erlebe an mir selbst die Hilf- und Ratlosigkeit, wenn in einer Sitzung hintereinander mehrere aktuelle, bedeutsame, aber eben auch komplexe Themen auf den Tisch kommen und wir in die Runde schauen und überlegen, wer kann jetzt hierzu etwas  sinnvolles beitragen – und das auch noch möglichst schnell...? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleiches beobachte ich auch bei Politikerinnen und Politikern, von denen ebenfalls erwartet wird, im Sekundentakt zu den verschiedensten Themen kompetent und lösungsorientiert ins Mikrofon sprechen zu können. Und der kleinste »Fehler« wird anschließend genüsslich seziert...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von daher ist es vielleicht besser, wenn sich »die Kirche« zu der hochkomplexen Problematik des Weltfinanzsystems zurückhaltend oder gar nicht äußert.  Ist sie damit nicht in guter Gesellschaft? Die Occupy-Bewegung verweigert sich bislang allen Forderungen nach Präzisierung und Lösungsvorschlägen. Zu Recht, weil nur so die unbequemen Fragen offen gehalten werden und zugleich zu- und eingestanden wird, dass Antworten nicht leicht zu finden sind. Warum wird dann  von »der Kirche« erwartet, dass sie sofort und gleich zu wissen habe, wo die Bösen sitzen und wie Lösungswege aussehen könnten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir klingt das alles nach einer eher pauschalen Kritik an der – vermuteten oder auch realen – Ausrichtung des »Mainstreams« in der evangelischen Kirche. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob Segbers recht hat mit seiner These, dass es vor allem auf die politischen Handlungsträger(innen) ankommt, auf die Druck ausgeübt werden muss. Ich bin weder Historiker noch Soziologe, aber ich vermute eher, dass gesellschaftliche Veränderungen auf vielfältige Art und Weise zusammen kommen als »nur« durch politische Entscheidungen. In der gegenwärtigen Diskussion gibt es ja auch kontroverse Auffassungen zur Handlungsfähigkeit der Demokratien auf unserem Erdball im globalen Kontext. Ist es nicht sinnvoller, auf eine breiter gestreute Bewegung zu hoffen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin eher der Meinung, dass »die Kirche« sich an den Fragen und der Aufklärung beteiligen soll, kann und muss, ohne gleich Rezepte zu präsentieren. Das ist schmerzhaft, weil das erkannte Falsche ausgehalten werden muss, während alles in uns nach Veränderungen und Lösungen schreit. Doch Aktionismus führt selten zum Ziel, beruhigt vielleicht das eigene Gewissen, doch um welchen Preis? Ich hege die Hoffnung, das das bewusste Offenhalten der Fragen mehr Potential zur Veränderung birgt, weil die Beteiligung des Nachdenkens breiter wird als vorschnelle Äußerungen und Appelle von wem auch immer an wen auch immer – das führt doch eher dazu, sich gleich wieder aus der Diskussion auszuklinken, weil man ja etwas gesagt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;II. Wer ist »die Kirche«?&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Segbers wirft die Frage auf, warum Frieden und Gerechtigkeit heute keine Themen mehr für den Kern der Volkskirche darstellen, spricht vom Burgfrieden, den die evangelische Kirche brauche, um nicht unter Spannung zerrissen zu werden und verweist auf den innerkirchlichen Pluralismus, dem er Stärke und Schwäche zugleich zuspricht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich finde es aber zu kurz gesprungen, wenn anschließend allein auf die Schwäche angehoben wird und das kirchliche Reden und Handeln als schal und wirkungslos bezeichnet wird. Segbers übersieht, dass die presbyterial-synodale Struktur der evangelischen Kirche kaum zu anderen Positionen kommen kann, als zu einer Mischung aus Denkschriften, theologischen Beiträgen, synodal verfassten Stellungnahmen und Äußerungen der kirchlichen Handlungsträger(innen) und entsprechender Handlungsentscheidungen der verschiedenen Ebenen.&lt;br /&gt;»Kirche«, das bin ich, das sind wir, Christinnen und Christen, Gemeinden und Kirchenkreise, synodale Gremien und die Leitungsämter. Aber damit gilt zugleich: Kirche ist auch Gesellschaft, weil Christinnen und Christen Teil der Gesellschaft sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Beobachtung, »die Kirche« habe Angst hat vor Veränderungen,  kann man theologisch korrekt  vielleicht als Akt des Unglaubens und als Sünde bezeichnen. Ob es sich aber im Kern (allein) um die Angst vor dem Verlust vorhandener Besitzstände handelt, scheint mir fraglich. Vielfach beobachte ich aufgrund des Wandelns und der Verunsicherung allerorten auch eine Sehnsucht nach einem Ort der Geborgenheit, nach ruhenden Polen in den Wirren einer sich teilweise chaotisch verändernden Gesellschaft. Auch dies mag als Unglaube qualifiziert werden, hilft aber zunächst wenig weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sinnvoller scheint mir zu fragen, wo denn der Kern der Volkskirche konkret verortet wird, der sich den Themen Frieden und Gerechtigkeit verweigert. Sehe ich ihn nur in der sog. »Kerngemeinde«, dann mag die These vielfach zutreffen. Aus den Kerngemeinden scheinen sozialethische Themen in den letzten beiden Jahrzehnten nach und nach ausgewandert zu sein, das entspricht auch meiner langjährigen Beobachtung als Gemeindepfarrer. Über die Gründe mag man streiten. Ich halte die These von Traugott Jähnichen für bedenkenswert, dass die evangelische Kirche in den letzten hundert Jahren sich in ihren Reformbemühungen stets am Zeitgeist orientiert hat. Für die Gegenwart seit den neunziger Jahren erkennt er vielfache Hinweise darauf, dass sich die Kirche hier am Ökonomismus ausgerichtet hat. Und wahrscheinlich kann das auch gar nicht anders sein, weil die Kirchenmitglieder nun einmal Teil der Gesellschaft sind, immerhin 24 Millionen Menschen in Deutschland. Dies mag erneut als Sünde im Sinne von Verstrickung bezeichnet werden und wirft Fragen auf, denen nachgegangen werden muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerdings eröffnet diese These doch auch eine Hoffnungsperspektive: Wenn sich der Zeitgeist gegenwärtig in Richtung Occupy ändert, wird sich das mittelfristig auch auf das Leben der Kirche und ihrer Gemeinden auswirken. Hier zeigt sich erneut: die Vielfalt, der Pluralismus von 24 Millionen Christinnen und Christen, ist Stärke und Schwäche zugleich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;III. Chancen und Möglichkeiten für die evangelische Kirche&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Occupy-Bewegung verweigert sich ganz klar der Frage nach Programmen und Lösungen und zieht zunächst eine »Option für die Armen«. Das sollte uns als »Kirche« schon hellhörig machen – und freuen. Aber sie stellt Fragen und macht auf Probleme aufmerksam, die viele Menschen bewegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe in den letzten Monaten immer wieder in Predigten und Gesprächen auf Fragen hingewiesen, die von der Occupy-Bewegung gestellt werden. Und ich finde in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und auch in praktisch jedem Alter Menschen, die mit dem Protest still sympathisieren, weil sie sagen, irgendwo haben »die« schon recht.  Es mag zutreffen, dass »die Kirche« sich hier (noch) nicht (öffentlich) positioniert hat, aber viele Christinnen und Christen teilen &amp;nbsp;das Unbehagen, dass überall konstatiert wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das finde ich durchaus hoffnungsvoll, verweist doch Margrit Kennedy in ihrem kleinen Büchlein »Occupy Money« darauf, dass nur 10% der Bevölkerung von einer Veränderung überzeugt werden müssen, damit sich grundsätzlich etwas ändert. Da bewegt sich schon etwas, auch in der Kirche. Einige Gedanken möchte ich im Anschluss an Segbers nennen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;a) Subsistenzwirtschaft statt Vereinskirche&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinskirche mit ihrer Konzentration auf Gruppen und Kreise scheint schon länger ein Auslaufmodell zu sein, die sich so eröffnende Lücke ist derzeit nicht durch neue Trägergruppen geschlossen. Man kann daher die Frage stellen, an welchen Stellen und mit welchen Themen Kirche entweder neue Trägergruppen initiieren könnte oder sich mit vorhandenen solidarisch zusammenschließt. Ich bin auch sicher, das dies landauf, landab längst geschieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich plädiere daher weniger für das Wort nach außen, sondern für die Fragen nach innen. Noch einmal: unsere Kirchenmitglieder sind doch Teil dieser Gesellschaft. Fangen wir hier an, z.B. bei der Suche nach Möglichkeiten, subsistenzwirtschaftliche Anteile im Leben unserer Gemeinden (und das heißt vor Ort ja immer auch sofort: im Leben eines Dorfes oder einer Stadt)  zu verwirklichen, um Lebensbewegungen zu initiieren, viele kleine Neuanfänge zu wagen – in der Hoffnung, dass sich aus vielen kleinen Anfängen hier und da Großes erwächst (Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld, Markus 4). Dann haben wir auch etwas anzubieten und einzubringen in die Bewegung, die sich »Occupy« nennt und das würde ich für mich mit »Wiederaneignung« übersetzen.&lt;br /&gt;Sympathisierende Worte und Handlungen für die Aktivistinnen und Aktivisten vor Banken und Parlamenten dürfen auch sein und hierfür gibt es in Frankfurt, Berlin, Zürich und anderswo auch Beispiele.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;b) Kirchliche Finanzen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Natürlich kann über die Frage gestritten werden und das muss auch sein, ob es sinnvoll ist, die Pensionsfonds auf dem Kapitalmarkt zu platzieren. Ob die Alternative zwingend ein umlagefinanziertes System sein muss, sei dahin gestellt. Gibt es nicht im Bereich der kirchlichen Banken und Gruppierungen wie Südwind hier vielfältige Ansätze zu ethischer Geldanlage, an der sich – und das ist wieder eine Stärke des Protestantismus – jede Gemeinde, jeder Kirchenkreis, jede Landeskirche beteiligen kann? Kirchliche Rede bleibt schal, wenn sie nicht ins Handeln überführt wird. Umkehr ist nötig, ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und möglich, aber vermutlich – und das müssen wir schmerzlich aushalten – nur aus der Einsicht der jeweils handelnden Personen und Gremien. Und es würde der evangelischen Kirche ein Hauch Occupygeist gut tun, wenn es z. B. um die Frage geht, wofür Kirche auf ihren verschiedenen Ebenen ihr Geld einsetzt. Das wäre ein lohnender Streit, der eventuell aus manch fruchtloser Strukturdebatte herausführen könnte, die sich gerade an der »Basis«, in den Gemeinden, häufig im Kampf um Gebäude und nicht um Inhalte manifestiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;c) Moderation ja – aber bei klarer Positionieren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Segbers Kritik an der moderierenden Rolle eines außenstehenden Zuschauers finde ich überzogen, weil sie übersieht, dass die Rolle des Moderators oder Mediators an vielen Stellen hilfreich und sinnvoll ist. Gerade in Fragen von sozialer Gerechtigkeit, in denen viele Nerven blank liegen, ist es gut, wenn Menschen dazwischen treten können, denen allseits ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wird. Segbers hat aber Recht, wenn er der Kirche vorhält, dass sie nicht außen stehen kann, weil sie Teil des Systems ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Rolle der Moderation gehört neben der Offenheit zum Zuhören auch eine klare fragende, anregende, aber nicht verurteilende Position. Hier wandelt Kirche wie auch immer und wo auch immer auf einem schmalen Grat. Es gibt den Punkt, an dem die einseitige Parteinahme notwendig ist, aber wann dieser Punkt erreicht ist, darüber muss ebenfalls gestritten werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer moderieren will, braucht eigene Positionen und muss diese im Prozess transparent machen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das in früheren Zeiten vorherrschende theologische Motiv vom Wächteramt, dass die Kirche gegenüber Staat und Gesellschaft auszuüben habe, nun eine Wiederkehr findet in einem Wächteramt, dass sich nun aufschwingt, um über den gesellschaftlichen Kommunikationsprozess zu wachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Link zum Artikel von Franz Segbers:&amp;nbsp;&lt;a href="http://zeitzeichen.net/geschichte-politik-gesellschaft/occupy-und-kirche-in-deutschland/" target="_blank"&gt;Königin ohne Macht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Textfassung mit Fußnoten und Literaturangaben findet sich hier: &lt;a href="http://www.matthias-jung.de/Qccupy%20(und)%20Kirche.pdf" target="_blank"&gt;Occupy (und) Kirche&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-3601748625789699833?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/3601748625789699833/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2012/01/occupy-und-kirche-eine-entgegnung-auf.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/3601748625789699833'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/3601748625789699833'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2012/01/occupy-und-kirche-eine-entgegnung-auf.html' title='Occupy (und) Kirche - Eine Entgegnung auf Franz Segbers'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-4484117268727556281</id><published>2011-12-22T16:28:00.000+01:00</published><updated>2011-12-22T22:24:48.383+01:00</updated><title type='text'>Lesetipp: »Occupy Money« von Margrit Kennedy – ein mutmachendes Buch in unruhigen Zeiten</title><content type='html'>Zwischen all den Weihnachtsvorbereitungen, Predigtentwürfen, Krippenspielproben und anderem mehr habe ich in diesen Tagen das gerade erschienene Büchlein von Margrit Kennedy »Occupy Money« gelesen. Auf nicht einmal hundert Seiten versucht die seit Jahren anerkannte Geldexpertin ihre Kritik am heutigen Geldsystem zu benennen und Alternativen aufzuzeigen.&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»Ich will ein Buch für Laien schreiben, weil nur sie eine Veränderung herbeiführen können. Die Proteste an der Wall Street, die sich inzwischen zu einer weltumspannenden Bewegung entwickelt haben, waren ein erstes und notwendiges Aufbegehren. Fachleute hingegen (…) interessieren sich nicht dafür, ob die große Mehrheit versteht, was passiert. Mit Dachausdrücken, Formeln, und einer Sprache, die nur ihresgleichen versteht, verklausulieren sie die tatsächlichen Sachverhalte. Ein Grund dafür ist: solange das Spiel weitergeht, verdienen sie immer daran – selbst an dem Chaos, das sie anrichten. Wie es um diejenigen steht, die die Zeche bezahlen, interessiert sie nicht.« (13f.)&lt;/blockquote&gt;Im ersten Kapitel erklärt Kennedy anschaulich und einfach den Systemfehler im Geldsystem: den Zins. Irgendwie hatte ich vieles davon schon einmal gehört, aber auf wenigen Seiten gelingt es ihr, einen Gesamtzusammenhang darzustellen. Bei mir stellte sich der ein oder andere »Aha-Effekt« ein. Das ganze gipfelt in der Frage, warum dieser Fehler nicht behoben wird. Die Antwort ist eine doppelte: &lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»Wir befinden uns in einem Denkgefängnis, weil wir annehmen, das herrschende Geldsystem sei das einzig mögliche.« (35) &lt;/blockquote&gt;Und damit eng verbunden ist die Tatsache, dass &lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»Geld heutzutage wichtiger ist als Wasser, Ernährung und ein Dach über dem Kopf. Denn all das bekommt man nur mit Geld. Wer das Geld in Frage stellt, stellt zugleich sein Überleben in Frage.« (35)&lt;/blockquote&gt;Als ich das las, fühlte ich mich daran erinnert, wie ich 2007 Frithjof Bergmanns Buch: »Neue Arbeit, neue Kultur« las, in dem er unser heutiges (Lohn)-Arbeitssystem mit einem fahrenden Zug vergleicht, der dem Abgrund entgegen rast, aber die Türen sind verschlossen, niemand traut sich auszusteigen oder abzuspringen...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denkgefängnisse zu  erkennen ist das eine, aber was folgt daraus? Das heutige System mit seinen unglaublichen Schulden scheint dem Untergang geweiht, niemand wird all diese Kredite jemals zurückzahlen. Und wer sich verweigert, wird aus der sogenannten internationalen Gemeinschaft ausgegrenzt, siehe Island. Gott sei Dank bleibt Kennedy aber nicht bei der düsteren Analyse stehen, sondern zeigt im zweiten Kapitel Wege aus der Geldkrise. Diesen Abschnitt fand ich hoch spannend und anregend, er verhinderte denn dann doch die vorweihnachtliche Depression angesichts der Zustand des globalen Finanzsystems. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennedy plädiert dafür, verschiedene alternative Bezahlsysteme, die auf Zins in der heute üblichen Form verzichten, parallel zum heutigen Geld zu entwickeln und einzuführen. Von den meisten Beispielen, die sie hier anführt, hatte ich auch schon gehört: JAK-System, Standgebühr, Zeitbanken, Regionalgeld u.a.. Aber »Klick!« hat es in meinem Kopf gemacht, als ich diese Zeilen las:&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»So wie wir nicht nur einen universalen Haustyp haben, der allen Zwecken dient (...) brauchen wir auch spezifische Geldmodelle für unterschiedliche Zwecke. Vermutlich werden Sie eines Tages nicht mehr nachvollziehen können, warum Sie ihr Kind mit derselben Währung zur Eisdiele schickten, mit der sie auch Autos aus Japan kaufen konnten.« (51)&lt;/blockquote&gt;Von da ratterten meine Gedanken im Gehirn. Denn wenn auch Kennedy nicht verschweigt, dass es rechtliche und andere Probleme bei der Einführung solcher alternativen Währungen gibt, erfolgreiche Beispiele gibt es auch, wie z.B. den Chiemgauer. Also, funktionieren kann das. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im letzten Abschnitt spricht sie sich für einen Übergangsprozess aus, der aus ihrer Sicht damit verbunden sein muss, die Macht, die heute in den Händen weniger liegt, zurück zu geben an »kleine Organisationseinheiten«. Kennedy setzt ihre Hoffnung auf den gegenwärtigen Meinungsbildungsprozess, der sich mit dem Begriff »Occupy« verbindet, das zeigt schon der Titel ihres Büchleins:&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;"Ich beobachte mit Freude, dass dei weltweite basisdemokratische Bewegung der Jugend das Geldthema als einen der wesentlichen Bestandteile ihrer Reformforderungen erkennt, und hoffe, sie setzt es durch, dass aus der Vision neuer Geldentwürfe Realität wird" (91)&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;Mut macht ihr bei allen Schwierigkeiten und Problemen eine neuere Untersuchung:&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»Die meisten Menschen glauben, dass sich Veränderungen nur herbeiführen lassen, wenn eine Mehrheit sich dafür einsetzt. Dem ist aber nicht so. Wenn nur 10% der Bevölkerung etwas verstehen und sich deshalb anders verhalten, folgen alle anderen nach, wie die Ergebnisse eines amerikanischen Forschungsprojekts belegen.« (14, Hervorhebungen von mir). &lt;/blockquote&gt;Das ist doch mal eine Perspektive!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ökonomischen Laien wie mir, die Tag für Tag ratlos und kopfschüttelnd vor der Zeitung sitzen angesichts der Zahlen mit den endlos vielen Nullen, kann ich das Buch von Margrit Kennedy nur ans Herz legen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Studie »Social consensus through the influence of committed minorities«, auf die sich Kennedy bezieht, ist hier zu finden (allerdings mit vielen mathematischen Formeln, und da bin ich erst recht Laie):&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://arxiv.org/pdf/1102.3931v2" target="_blank"&gt;http://arxiv.org/pdf/1102.3931v2&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-4484117268727556281?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/4484117268727556281/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/lesetipp-occupy-money-von-margrit.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/4484117268727556281'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/4484117268727556281'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/lesetipp-occupy-money-von-margrit.html' title='Lesetipp: »Occupy Money« von Margrit Kennedy – ein mutmachendes Buch in unruhigen Zeiten'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-4528416497946545876</id><published>2011-12-19T18:53:00.000+01:00</published><updated>2011-12-19T19:05:09.786+01:00</updated><title type='text'>"Mein Geschäftsgebiet war der Hunger..."</title><content type='html'>&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;&lt;i&gt;»Mein Geschäftsgebiet war der Hunger. Ich weiß nicht, wie viele Tote es sind, ich habe keine Ahnung, aber ganz sicher habe ich mehr Menschenleben auf dem Gewissen, als all die Generäle und Politiker, die man wegen Kriegsverbrechen vor Tribunale gestellt hat. Der Unterschied ist nur, mich wird man nie vor Gericht stellen.«&lt;/i&gt;&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Mit diesen Worten der ehemaligen Bankmanagerin Margarete Wegener beginnt der kleine Dokumentarfilm »Schuld. Die Barbarei Europas«. Ein bedrückender Film des &lt;a href="http://www.politicalbeauty.de/center/Aktionskunst_Politische_Schoenheit.html" target="_blank"&gt;Zentrums für politische Schönheit&lt;/a&gt;. Er wirkt durch die fast schon suggestive Schilderung der Betroffenheit dieser Frau, die auf eindringliche Art und Weise Einblick in ihr Gewissen gibt. »Mikropsychia« nennt Wegener am Ende in Aufnahme eines Begriffes von Aristoteles diesen Zustand, Kleingesinntheit, Selbstbezogenheit, in dem wir uns alle befinden...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unbedingt anschauen, aber Vorsicht, er geht unter die Haut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;object class="BLOGGER-youtube-video" classid="clsid:D27CDB6E-AE6D-11cf-96B8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0" data-thumbnail-src="http://1.gvt0.com/vi/rQ7cXnsCh0E/0.jpg" height="266" width="320"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/rQ7cXnsCh0E&amp;fs=1&amp;source=uds" /&gt;&lt;param name="bgcolor" value="#FFFFFF" /&gt;&lt;embed width="320" height="266"  src="http://www.youtube.com/v/rQ7cXnsCh0E&amp;fs=1&amp;source=uds" type="application/x-shockwave-flash"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-4528416497946545876?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/4528416497946545876/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/mein-geschaftsgebiet-war-der-hunger.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/4528416497946545876'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/4528416497946545876'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/mein-geschaftsgebiet-war-der-hunger.html' title='&quot;Mein Geschäftsgebiet war der Hunger...&quot;'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-5597987629093925438</id><published>2011-12-12T12:23:00.000+01:00</published><updated>2011-12-12T17:57:36.781+01:00</updated><title type='text'>Flachdach III - Eiszeit für Kinder</title><content type='html'>Gestern habe ich an der Eröffnung der Ausstellung&lt;span style="font-size: large;"&gt;&lt;span style="color: #6fa8dc;"&gt; »Flachdach III – Eiszeit für Kinder«&lt;/span&gt;&lt;/span&gt; im &lt;span style="font-size: large;"&gt;&lt;a href="http://www.atelier-freiart.de/willkommen/willkommen-im-atelier-freiart.html" target="_blank"&gt;&lt;span style="color: #990000;"&gt;Atelier freiart&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;der Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck teilgenommen. Ihrem Aufruf zum Mitmachen sind fast hundert Frauen gefolgt und haben weit über hundert Schals gestrickt, die zu einer eisblauen Wand zusammengefügt wurden. Die Schals werden nun für 25 € verkauft, der Erlös ist bestimmt für  das Programm »Hilfe für junge Mütter und ihre Kinder« der Beratungsstelle für Familienplanung, Sexualität und Schwangerschaftskonflikte der Diakonie Dinslaken.&lt;br /&gt;Ich hatte meine Kamera mitgenommen und so sind einige Einblicke entstanden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/matthias-jung/6498122385/" title="1 von Matthias Jung bei Flickr"&gt;&lt;img alt="1" height="240" src="http://farm8.staticflickr.com/7152/6498122385_838c3eb67c_m.jpg" width="156" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/matthias-jung/6498130833/" title="2 von Matthias Jung bei Flickr"&gt;&lt;img alt="2" height="160" src="http://farm8.staticflickr.com/7030/6498130833_64d495f652_m.jpg" width="240" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das vollständige Album mit neun Fotos findet sich hier:&amp;nbsp;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/matthias-jung/sets/72157628384696661/" target="_blank"&gt;&lt;span style="color: #990000;"&gt;&lt;span style="font-size: large;"&gt;Flachdach III - Eiszeit für Kinder&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Link zum Blogbeitrag von Walburga Schild-Griesbeck, in dem sie das Projekt vorstellt: &lt;a href="http://atelier-freiart.blogspot.com/2011/12/das-soziale-kunst-netzwerk.html" target="_blank"&gt;&lt;span style="color: #990000;"&gt;&lt;span style="font-size: large;"&gt;Das soziale Netzwerk&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Link zur Abteilung des &lt;span style="font-size: large;"&gt;&lt;span style="color: #990000;"&gt;&amp;nbsp;&lt;a href="http://www.ekir.de/kirchenkreis-dinslaken/dw/dwr1_schwanger01.htm" target="_blank"&gt;Diakonischen Werks Dinslaken - Schwangerschaftskonfliktberatung&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;, welcher der Erlös zugute kommt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-5597987629093925438?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/5597987629093925438/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/flachdach-iii-eiszeit-fur-kinder.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5597987629093925438'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5597987629093925438'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/flachdach-iii-eiszeit-fur-kinder.html' title='Flachdach III - Eiszeit für Kinder'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-5198553625199379887</id><published>2011-12-08T20:01:00.000+01:00</published><updated>2011-12-08T20:06:15.381+01:00</updated><title type='text'>Lesetipp: Peter Plöger – Einfach ein gutes Leben. Aufbruch in eine neue Gesellschaft</title><content type='html'>&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2010 bin ich bei der Arbeit an meiner Dissertation auf Peter Plöger gestoßen, als ich nach Autoren suchte, die sich mit neuen Arbeitsformen beschäftigen. Sein Buch »Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten« fand ich so spannend, dass ich zusammen mit meiner Frau Peter Plöger als Referent zu einem Workshop in diesem Sommer nach Voerde eingeladen habe, der sich mit dem Thema »Konkurrenz versus Kooperation« beschäftigte. Auf diesem Workshop kündigte Plöger sein neues Buch bereits an, dass ich dann natürlich interessiert gelesen habe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erster Eindruck&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Schon die Kapitelüberschriften geben einen guten Eindruck vom Inhalt: &lt;br /&gt;»Aussteigen? – Leben in Fülle – Selber machen – Anders arbeiten – Gemeinsam schaffen – Räume zum Leben – Einsteigen!«&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Plädoyer für die Subsistenzwirtschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Das Buch stellt im Kern ein Plädoyer für die Subsistenzwirtschaft zwischen Selbstorganisation und Kooperation dar. Nun gibt es viele Aufsätze und Bücher zu diesem Thema, an die Plöger auch anknüpft. So versteht er mit Martha Nussbaum Subsistenz als ermöglichenden Ansatz, der »Menschen Türen zu einem zufriedenerem Leben aufschließt (56) und von Maria Mies übernimmt er den Gedanken, Subsistenz sei im Grundsatz bereits kooperativ. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Geschichten von Menschen auf der Suche nach dem guten Leben&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Das Besondere aber an Plögers Werk sind die Geschichten, die er erzählt. Er hat eine Vielzahl von Interviews geführt und lässt Menschen zu Wort kommen, die auf der Suche nach dem guten Leben sind. Menschen wie Peter Huth, vormals Maschineningenieur, heute Landwirt im Oderbruch. Oder wie Richard Christian, Mitarbeitender im »Haus der Einarbeit« in München. Menschen wie die Mülltaucher Anna Poddig und Falk Beyer, die so gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln protestieren. Oder er beschreibt Menschen, die Gemeinschaftsgärten in Großstädten anlegen und Guerilla-Gärtner, die Saatbomben auf brachliegende Grundstücke werfen oder über Nacht kahle Verkehrsinseln begrünen – um die Stadt lebenswerter zu machen. Petra Nagler von der »Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Bremen« und Luzie von Arnim, die in Bielefeld den Tauschring »Zeitpunkt« gegründet hat, haben ihm ihre Geschichten erzählt. Und auch einen Blick in die nahe Zukunft der Produktion von Gebrauchsgütern hat Plöger geworfen, indem er das erste deutsche »FabLab« an der RWTH in Aachen besucht hat. Diese Beispiele machen das breite Spektrum der Geschichten deutlich und eingewebt in die Erzählungen sind seine programmatischen Kerngedanken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kritik am heutigen Wirtschaftssystem&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;»Der Unwille gegenüber der herrschenden Wirtschaftsweise geht tief bei den Menschen, diue in diesem Buch zu Wort kommen. (…) Dass die Selbstorganisierten sich nun selbst helfen, richtet die kritische Aufmerksamkeit auf den Kern der Ökonomie. Es ist ein Hinweis auf eine kulturelle Krise: Unser Wirtschaftssystem ist weniger als gedacht in der Lage uns mit dem zu versorgen, was wir brauchen und was wir uns wünschen, es ist keine optimale Basis für ein gelingendes Leben.« (16f.)Plöger weist (mit anderen) darauf hin, dass es Subsistenzwirtschaft immer schon gegeben hat und verweist im Anschluss an Jeremy Rifkin auf die Unterscheidung zwischen der »formellen« Arbeit in den Sektoren Erwerbsarbeit und Öffentliche Arbeit auf der einen Seite und der »«informellen Arbeit« in einem dritten Sektor, zu dem Haushaltswirtschaft, Selbstversorgung (Eigenarbeit, Gartenarbeit) und die »Selbsthilfeökonomie« (Nachbarschaftshilfe, Ehrenamt, Bürgerinititativen) gezählt werden. Alles nicht neu. Aber: Plöger weist darauf hin, dass die informelle Arbeit in der heutigen Marktwirtschaft als weniger wert betrachtet wird, weil hier nicht in Geld aufgerechnet hin. Und noch wichtiger, er geht davon aus, dass dieser Sektor in Zukunft nicht nur wachsen muss, sondern auch kann. Dabei ist er Realist genug, auch auf die Schwierigkeiten zu verweisen, denen sich Menschen ausgesetzt sehen, die hier mehr Lebensqualität für sich und andere erzielen wollen. Ein zorniger Realist, der im Blick auf manche Steine, die solchen Projekten immer wieder in den Weg gelegt werden, von »erschütternder Hilflosigkeit« der Politik spricht. (212)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Bedeutung von intrinsischer Motivation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Während die Marktwirtschaft darauf setzt, dass die Aussicht auf eine höheres Einkommen Menschen motiviert, sich anzustrengen, also zu »arbeiten«, sieht Plöger bei den Selbstorganisierern eine ganze andere Motivation am Werk. Die Marktwirtschaft setzt auf äußere Anreize, auf extrinsische Motivation – die Subsistenzwirtschaft dagegen ist im Kern geprägt von intrinsischer Motivation, von Selbstmotivation, Kreativität und Verantwortlichkeit. Geld mag wichtig sein, macht aber nicht zufrieden. Auch dies ist nicht neu, das weiß auch Plöger und verweist auf Studien von Edward Deci und anderen. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, an diese Zusammenhänge immer wieder zu erinnern, um Menschen zu motivieren, sich auf diesen Weg einzulassen. Hier gibt es eine Nähe von Plöger zum Ansatz der »Neuen Arbeit« von Frithjof Bergmann, der die These vertritt und sie durch vielfältige Erfahrungen untermauern konnte, dass kaum etwas anderes Menschen so zufrieden macht, wie eine Arbeit, die sie »wirklich, wirklich wollen«. Plöger weist an einer Stelle selbst auf diese Nähe zu Bergmann hin. Interessant ist nun, dass Plöger drei Bedingungen nennt, die intrinsische Motivation fördern – oder auch behindern: Das Gefühl der Kompetenz (ich kann eine Aufgabe lösen), die Qualität meiner Arbeit (ich bin mit dem Ergebnis meiner Arbeit zufrieden) und, als wichtigste Bedingung, die Autonomie der Tätigen. »Freie Wahl zuhaben, das eigene Tun nicht von außen bestimmen zu lassen, scheint ein Grundbedürfnis von Menschen zu sein.« (131) Dabei darf Autonomie nicht mit Unabhängigkeit verwechselt werden: »Autonomie meint (…)  ›nach dem eigenen Willen und den eigenen Zielen handeln‹. Ihr Gegenpart ist also nicht Abhängigkeit, sondern äußere Kontrolle.« (131f.) Somit hält Plöger Selbstbestimmung als unverzichtbar für ein gutes Leben, wobei er von der hier notwendigen Balance zwischen Selbst- und Fremdbestimmung spricht, nicht jegliche Arbeit oder Tätigkeit kann immer selbstbestimmt sein, in einer kooperativen, arbeitsteiligen Gesellschaft ist dies nicht möglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Absage an den Homo Oceonomicus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;»Der Homo oeconomicus ist kein Genossenschaftsmitglied« – so formuliert Plöger in einer Zwischenüberschrift. Leidenschaftlich vertritt er die Auffassung, dass der Mensch keineswegs ein Wesen sei, dass vor allem und zuallererst am Eigennutz interessiert sei. Im Gegenteil, er verweist auf neuere medizinische, neurobiologische und psychologische Erkenntnisse, die aufweisen, dass Menschen von Natur aus kooperieren wollen: »Unser Belohnungssystem im Gehirn ist so eingerichtet, dass es vor allem auf positive Rückkoppelungen in zwischenmenschlichen Kontakten reagiert und uns auf diese Weise antreibt, eben solche Reaktionen zu suchen.« (152) Dies verbindet er mit Hinweisen auf die Glücksforschung, die darauf hinweist, dass eine materialistische Grundhaltung zu vielfältigen Schäden führen kann. Insbesondere Robert Lane habe in seinem Buch mit dem aussagekräftigen Titel »The lost of happiness in market democracies« darauf verwiesen. »In allen untersuchten Aspekten, die für Menschen existentielle Bedeutung haben, zeigte sich eine negative Korrelation zwischen einer materialistischen Haltung und Zufriedenheit. Materialismus (…) ist dabei offenbar nicht nur ein begleitendes Phänomen, sondern die Ursache des Mangels an Zufriedenheit.« (155f.) Diese These belegen viele der Menschen, die Plöger in seinem Buch vorstellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fazit: Hoffnungsgeschichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Peter Plöger erzählt Geschichten. Hoffnungsgeschichten. Geschichten, die Mut machen, es mit der Subsistenzwirtschaft zu versuchen. Hier und da, jede und jeder, wo er kann und will. Und mit dem Risiko, dass jede und jeder bereit ist, dafür einzugehen. Denn er verschweigt die Risiken nicht, erzählt auch Geschichten des Scheiterns. Aber unausgesprochen bleibt bei allem Risiko die Frage im Raum steht, ob die Menschheit eine andere Alternative hat, als die Subsistenzwirtschaft (wieder) stärker zu betonen und aufzuwerten, wenn sie Wohlstand, also das gute Leben aller, anstreben und erreichen will, denn: »Die kapitalistische Marktwirtschaft heutigen Zuschnitts lässt einige unserer Grundbefähigungen auf einem zu niedrigen Niveau, als dass sie wirklich günstige Voraussetzungen für das gute Leben schaffen würde. Anlass genug, die Dinge selber in die Hand zunehmen.« (196)Im Anhang finden sich nicht nur Literaturhinweise, sondern auch ausgewählte Links zu den angesprochenen Themen und vorgestellten Projekten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-5198553625199379887?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/5198553625199379887/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/lesetipp-peter-ploger-einfach-ein-gutes.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5198553625199379887'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5198553625199379887'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/12/lesetipp-peter-ploger-einfach-ein-gutes.html' title='Lesetipp: Peter Plöger – Einfach ein gutes Leben. Aufbruch in eine neue Gesellschaft'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-4074623267694017186</id><published>2011-11-26T20:40:00.001+01:00</published><updated>2011-11-27T09:09:59.446+01:00</updated><title type='text'>»Zwischen den Zeiten« in unruhigen Zeiten  -  Essayistische Relektüre eines Textes von Friedrich Gogarten</title><content type='html'>&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor fünfzehn Jahren habe ich über diesen Text von Friedrich Gogarten in der Woche zwischen Ewigkeitssonntag und 1. Advent im Pfarrkonvent unseres Kirchenkreises eine Andacht gehalten. In diesen Tagen erinnerte ich mich daran, las Andacht und Aufsatz noch einmal und begann über die Aktualität dieses Textes nachzudenken, der über 90 Jahre alt ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;I.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;»Das ist das Schicksal unserer Generation, daß wir heute zwischen den Zeiten stehen. Wir gehörten nie zu der Zeit, die heute zu Ende geht. Ob wir je zu der Zeit gehören werden, die kommen wird? Und wenn wir von uns aus zu ihr gehören könnten, ob sie je so bald kommen wird? So stehen wir mitten dazwischen. In einem leeren Raum. Wir gehören nicht zu den Einen, nicht zu den Anderen.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Friedrich Gogarten 1920 seinen Aufsatz mit diesen Worten beginnt, ist er 33 Jahre alt und evangelischer Pfarrer in Thüringen. Der Weltkrieg ist vorbei, der Kaiser im Exil und auch in Kirche und Theologie ist kaum noch etwas, wie es vorher war. Zwischen den Zeiten – so fühlte er sich damals und traf damit den Nerv vieler Theologen seiner Zeit. »Alles, was als gut, wahr und schön, was als vernünftig, bürgerlich und liberal, was als edel und human gegolten hat, was für mehr als ein Jahrhundert eine Welt ausgemacht hatte, das war untergegangen«, so beschrieb Heinz Zahrnt einst diese Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwischen den Zeiten. Wenn ich das lese, beschleicht mich der Gedanke, dass auch in unserer Gegenwart Dinge zu Ende gehen, Vertrautes oder auch nur Gewohntes auseinanderfällt. Allerdings fühle ich mich anders als Gogarten seinerzeit dieser heute zu Ende gehenden Zeit zugehörig, erlebe mich mit ihr verwoben. Aufgewachsen in der Nachkriegszeit, immer im Frieden lebend, habe auch ich mich eine Zeit lang der Illusion hingegeben, dass mit dem Fall der Mauer und dem Ende des Sozialismus die Chance bestehen könnte, die  Zukunftsaufgabe zu bewältigen, die sich damals auf der Tagesordnung stand, nämlich: Wie kann, wie will die Menschheit auf diesem Planeten überleben? Die damit verbundenen Probleme waren schon in den siebziger und achtziger Jahren in verschiedenen Berichten des Club of Rome glasklar beschrieben worden, aber Generationen der Handlungsträger verschoben die – unbequemen – Lösungen auf die Zukunft. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts schien es dann eine Weile so, als existiere die Chance, dass nun überall auf der Welt blühende Landschaften entstehen, weil der große Feind allen Wohlstands, der Sozialismus nicht mehr die personellen und finanziellen Kräfte des Kampfes bindet. Schnell ist dieser Traum, diese Vision zerplatzt. Im Golfkrieg, im Bosnienkrieg, am 11. September 2001 und allem, was danach kam. Und vor allem ist die Hoffnung nachdrücklich zerstört worden, der siegreiche Kapitalismus könne nun ohne seinen Gegenspieler endlich gutes Leben für alle Menschen auf der ganzen Welt schaffen.  Heute ahnen wir, spüren wir: Es wird nicht mehr so weitergehen. Es kann einfach nicht mehr so weitergehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fukushima im März war ein Fanal, fast schon wieder vergessen, aber unterschwellig weiterwirkend. Sinkender Wohlstand seit Jahren in den sogenannten Industrienationen, dazu die neuen Global Player in Asien und Südamerika, die Ansprüche stellen und das »Gleichgewicht« der Mächte verändern. Der CO2 Ausstoß steigt Jahr für Jahr, trotz aller Absichtserklärungen und Klimakonferenzen. Eine Finanzkrise nach der anderen tobt um den Erdball und macht offenbar, wie Reichtum und Armut verteilt sind, nämlich grotesk ungerecht, ja obszön und unverschämt. Eigentum verpflichtet heißt es in unserem Grundgesetz, in diesen Zeiten klingt dieser Satz zumindest in meinen Ohren zynisch. Geld wäre genug da, sagen manche Ökonomen. Geld, die Schulden zu bezahlen. Geld, in Forschung und Entwicklung der überlebensnotwendigen Anstrengungen zu investieren. Die Vertreter der Ökosozialen Marktwirtschaft haben dies durchgerechnet – Geld wäre genug da, alle Schulden zu bezahlen und einen Neuanfang zu schaffen. Naiv? Weltfremd? Vielleicht. Aber ist die Alternative, einfach immer so weiter zu machen, nicht genauso naiv und weltfremd? Zeiten zerfallen. Wie erstarrt stehen wir zwischen den Zeiten und hören Tag für Tag die immer verrückter werdenden Nachrichten. Wir erahnen den Crash, der jeden Tag näher zu kommen scheint in diesen Wochen und Monaten. Alle Lösungsmöglichkeiten klingen wie die Wahl zwischen Pech und Schwefel. Und manch einer ersehnt den Tag des Zusammenbruchs herbei, weil die Ungewissheit immer stärker an den Nerven zerrt. Das unterscheidet mich, uns von Gogarten, er hatte die Katastrophe, den Untergang seiner vertrauten Welt, schon hinter sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;II.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;»Wir sehen heute (…) keine Formung des Lebens, die nicht zersetzt wäre. Habt ihr uns nicht gelehrt, in allem und jedem das Menschenwerk zu sehen? Habt ihr uns nicht selbst die Augen für das Menschliche geschärft, indem Ihr uns alles in die Geschichte und in die Entwicklung einstelltet? Wir danken Euch, daß Ihr es tatet, Ihr schufet uns das Werkzeug, laßt es uns nun gebrauchen. Nun ziehen wir den Schluß: Alles, was irgendwie Menschenwerk ist, entsteht nicht nur, es vergeht auch wieder. Und es vergeht dann, wenn das Menschenwerk alles Andere überwuchs.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn wir von der historischen Situation dieser in der Tiefe theologischen Kritik heute weit entfernt sind – die Erkenntnis, alles ist Menschenwerk, die sollten wir uns allerdings sehr zu Herzen nehmen und damit auf eine Ökonomie schauen, die sich trotz kapitaler und katastrophaler Folgen immer noch weitgehend als »natürlich«, d.h. als naturgesetzlich versteht und so den Anspruch erhebt, in immer weitere Lebensbereiche vordringen zu dürfen. Bis in unsere Tage wird offen oder verdeckt die Parole ausgegeben: Gebt die Märkte frei, lasst alles und jedes vom Marktgeschehen bestimmen und das Zeitalter des Wohlstands kommt schon, vertraut nur. So predigen es die Geistlichen der Finanzökonomie. Alles ist Menschenwerk, daran erinnert Gogarten seine Zeitgenossen, alles Menschenwerk wird geschaffen und vergeht wieder. Damals, in den Jahren nach dem Weltkrieg, war dies unübersehbar. Heute scheint es so, als gäbe es zur Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft und der sie fördernden Politik überhaupt keine Alternative. Parolen machen die Runde: »Hauptsache, Arbeit!« »Hauptsache, Wachstum!« Arbeit und Wachstum als naturgesetzliche »Omniwerte«, wie Frithjof Bergmann einmal formuliert hat. Aber nein: Alles ist Menschenwerk, daran sollten wir uns von Gogarten erinnern, ja, ermahnen lassen. Alles ist Menschenwerk, auch solche Parolen und die dahinter stehenden Zielperspektiven. Sie sind nicht vom Himmel gefallen und keine »Schöpfungsordnungen«, deren Nichtbeachtung falsch, theologisch gesprochen: Sünde wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;III.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;»Wir sind alle so tief in das Menschsein hineingeraten, daß wir Gott darüber verloren. Ihn verloren. Ja, wirklich verloren, es ist kein Gedanke mehr in uns, der bis zu ihm reicht. (…) Ist es ein Wunder, daß wir bis in die Fingerspitzen hinein mißtrauisch geworden sind gegen alles, was irgendwie Menschenwerk ist? Ja, uns selbst ist es ein Wunder. Denn wenn das Mißtrauen gegen das Menschliche auch noch das ist, was unser Gefühl am, meisten bestimmt, so ist dieses Mißtrauen, das vor nichts zurückscheut, doch nur möglich, weil ein Keim von Wissen des Anderen, der Nicht-Menschlichen in uns sein muß. Noch können wir Gott nicht denken. Aber wir erkennen immer deutlicher, was Er nicht ist, was Er nicht sein kann.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwischen den Zeiten stellt Gogarten die Frage nach Gott. Nach Gott, der in den Wirren der Geschichte, des Menschenwerks verloren gegangen ist. Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurde angesichts des Grauens die Frage gestellt, wo Gott in Auschwitz war und manch eine, manch einer erklärte ihn für tot. Im Menschsein so tief aufgegangen sein, dass Gott verloren ging... Dieser Gedanke geht mir nach, erschreckt mich, verstört mich... Und die Frage kommt in mir auf: Haben wir Gott in all dem Ökonomismus unserer Zeit vielleicht auch verloren? Ist auch heute kein Gedanke mehr da, der zu ihm reicht? Fragt überhaupt noch jemand nach Gott? Ja, sicher, natürlich. Unzählige Menschen schreien ihren Zweifel, ihren Schmerz, ihre Sehnsucht, ihre Hoffnung in der Frage nach Gott heraus. Anlässe gibt es wahrlich genug. Aber in den großen Zusammenhängen der Welt? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;»Religion ist Privatsache.« Auch so eine Parole, die nicht wahrer wird, wenn sie immer weiter wiederholt wird. Aber sie nistet sich in den Köpfen der Menschen ein und vergiftet unser Denken und unseren Glauben. Natürlich ist Religion »Privatsache«, es gibt kaum etwas Persönlicheres als die eigenen Glaubensüberzeugungen. Aber Privatsache heißt doch nicht, dass damit der Glaube auf den privaten Lebensbereich beschränkt bleibt. Was wäre das für ein jämmerlicher Gott, reduziert auf die anscheinend so privaten Dinge wie Geburt und Tod, und, ach ja, bei der Liebe darf er auch noch ein wenig mitmischen. Aber in der »großen, weiten Welt«? In den wichtigen politischen Fragen, bei Krieg und Frieden, gar in der Ökonomie? Nein, da schütteln die Handlungsträger mehr oder weniger milde den Kopf. Nein, hier gelten andere Regeln, hier brauchen wir Gott nicht, hier stört er nur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch Glaube enthält immer eine Vorstellung vom Menschen und der Welt im Ganzen, jeder Glaube, auch jeder Aberglaube. Und so muss heute schon gefragt werden: Haben auch wir Gott verloren in den Wirren unserer Zeit, in dem Wahn, selber durch Wachstum und »Arbeit« ein Reich der Erlösung aus Glück und Wohlstand zu schaffen? Haben auch wir Gott verloren, weil wir ihn in den privaten Bereich unseres Lebens abgeschoben haben, weil wir meinten, nein, glaubten, den Rest schaffen wir schon allein? »Wir erkennen immer deutlicher, was Er nicht ist, was Er nicht sein kann.« Privatsache, das kann Er nicht sein. Aber was dann? Vielleicht müssen auch wir heute, zwischen den Zeiten, die Frage nach Gott offen halten und nicht gleich nach Antworten suchen. Für mich als Pfarrer, als Theologen eine schreckliche Vorstellung. Von Gott schweigen zu müssen, und zugleich von Gott reden zu müssen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;IV.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;»Es gab Zeiten da meinten wir, an einer neuen kommenden Kultur arbeiten zu können, und da glaubten wir, sie brächte dann das Heil. Ihr Bild stand uns groß und reich vor der Seele. Aber dieser Traum ist ausgeträumt. Wir wurden nicht nur gegen das Menschliche in dem, was andere taten, mißtrauisch, wir wurden viel mißtrauischer gegen das Menschliche in dem, was wir selbst tun und planen. Und das trennt uns von denen, die heute die Zeit bestimmen.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kulturprotestantismus wurde die enge Verbindung von Kultur und evangelischer Kirche und Theologie im 19. Jahrhundert genannt. Diese Zeit ist lange vorbei. Aber trifft die Haltung, die Gogarten hier beschriebt, nicht heute auch noch zu? Die Hoffnung scheint momentan zu zerbrechen, dass Demokratie an und für sich in Partnerschaft mit dem kapitalistischen System Heil auf Erden, nicht-theologisch gesprochen: eine neue Kultur von Freiheit und Wohlstand für alle bringen könne. Der Traum scheint ausgeträumt, zumindest für diese und wohl auch für die nächste Generation. Denn die wird, wenn das System nicht doch im Crash untergeht, an den Schulden abzutragen haben, die wir aufgetürmt haben, ein Leben lang. Wohin das Geld fließen wird? Ich weiß es nicht. Sicher ist aber: Es wird kaum für den Wohlstand für alle und zur Lösung der drängenden Probleme vorhanden sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soweit kann ich Gogarten auch im Blick auf unsere Zeit folgen. Doch wogegen heute konkret misstrauisch sein? Sollte es heißen: Misstrauisch sein, werden und bleiben gegen den Kapitalismus und die sich mit ihm verbündete Demokratie? Ein gefährlicher Gedanke. Doch Misstrauen heißt nicht gleich Ablehnung. Auch hier hilft die Erinnerung Gogartens´s: Alles ist Menschenwerk. Vielleicht ist es sinnvoll, ja sogar geboten, gegen alles Menschenwerk mit einem grundsätzlichen Misstrauen heranzugehen. Nicht in einem abwertenden, zynischen, zerstörerischen Misstrauen, sondern mit einem offenen, vorsichtigen, fragenden Zweifel: Ist es wirklich so, wie behauptet oder könnte es vielleicht auch ganz anders sein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also, frage ich mich: Was erleben wir zur Zeit? Erkennen wir nicht die Hilflosigkeit von politischen Handlungsträgerinnen und -trägern, die gegen die computergesteuerten Börsenverkäufe keine Chance haben? Ein Fehler einer Ratingagentur und ein Riesenland wie Frankreich muss gleich höhere Zinsen zahlen. Demokratisch? Haben wir nicht längst eine Diktatur der Finanzmärkte? Märkte, deren Transaktionen so schnell sind, dass man schon glauben könnte, Maschinen hätten nicht nur den Handel, sondern zugleich auch bereits die Macht übernommen? Ein Hauch von Matrix weht durch die Börsenschauplätze, Computer übernehmen die Macht und versklaven die Menschheit. Wer hat die Instrumente, die »Macht«, dagegen den Kampf aufzunehmen? Die Hilf- und Vergeblichlosigkeit der letzten Monate, die Finanzmärkte mit demokratischen Mitteln zu beruhigen, wirft schon Fragen auf. Gefährliche Fragen, ich weiß. Sie nicht zu stellen, ist aber ebenso gefährlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;V.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;»Versteht man noch nicht, dass unsere Stunde (…) wahrscheinlich die Stunde der Buße ist? – Oder kann man mit ein und denselben Atem Buße tun und sein Programm für das Kommende entwickeln? Hüten wir uns in dieser Stunde vor nichts so sehr, wie dabei, zu überlegen, was wir tun sollen. Wir stehen in ihr nicht unserer Weisheit, sondern wir stehen vor Gott. Diese Stunde ist nicht unsere Stunde. Wir haben jetzt keine Zeit. Wir stehen zwischen den Zeiten.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stunde der Buße. Buße, ein Wort, das aus einer fernen Zeit zu stammen scheint. Buße, das ist die Erkenntnis des Irrtums. Die Erkenntnis des Versagens. Buße beinhaltet das Erschrecken und die Verzweiflung angesichts von Verstrickung, Ohnmacht und Schwäche. Die Erkenntnis, die Frage nach Gott ausgeblendet zu haben, von ihm nichts mehr zu erwarten – und von den Menschen auch nicht mehr. Buße ist im Kern Unglaube. Buße ist das Eingeständnis, keine Antworten sagen zu können. Buße, das ist biblisch gesprochen der Ruf zur Umkehr. Wenig populär, wenn die Theologen dieses Wort in den Mund nehmen. Und doch wird jeden Tag nach Buße gerufen in dieser Welt, zur Umkehr, von allen möglichen Menschen, die meinen, zu wissen, wo es lang zu gehen habe. Gogarten dagegen formuliert eine Absage in Richtung aller möglichen neuen Programme, da jetzt erst einmal die Zeit der Buße ist. Zwischen den Zeiten steht er, stehen wir vor Gott – und wir sollten uns hüten, vorschnell zu überlegen, was wir tun sollen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Buße könnte heute darin bestehen zu erkennen und einzugestehen, dass unausgesprochen eine Fortschrittsgläubigkeit und eine damit verbundene Verdrängung der Risiken uns alle in Irre geführt hat. Wir haben uns vertrösten lassen und vertröstet, zwar nicht auf eine göttliche Gerechtigkeit in einer jenseitigen Welt, sondern auf ein innerweltliches Paradies auf Erden, das da schon kommen wird in der Zukunft. Und heute erkennen wir mit Schrecken, dass wir so dabei sind, eher die Hölle auf Erden zu schaffen. Gerade diese ungeheuren Zahlen mit den vielen Nullen am Ende, die heute Tag für Tag über die Bildschirme wabern, öffnen vielen Zeitgenossen die Augen dafür, dass es ein Wahnsinn ist, auf den wir uns eingelassen. Menschenwerk, wohlgemerkt, kein Naturgesetz, das vom Himmel gefallen ist. Vielleicht gehört zur Buße das Schweigen, die schmerzhafte Antwortlosigkeit aushalten zu müssen in einer Zeit, die voller Stimmen und Stimmungen ist, voller Aktivismus und Hektik, Programmen und Reformen ohne Anfang und ohne Ende, in der Gesellschaft wie auch in der Kirche. Buße heißt vielleicht sehr, sehr lange hinschauen ohne Aktivismus, ohne den hektischen, angstbesetzten Reflex: Da muss man doch was tun!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und was könnten wir sehen? Vielleicht das: Effizienz und Zahlen regieren unausgesprochen hier wie da. Alles, was sich nicht in Zahlen übersetzen lässt, existiert nicht wirklich, so lautet vielleicht das große Glaubensdogma unserer Zeit. Und hier offenbart sich der Unglaube der Kirche, die an vielen Stellen ihre Hoffnung ebenfalls auf dieses Dogma setzt. Vom untergegangen Kulturprotestantismus geprägt schreibt Gogarten gegen denselben an. Nun ist diese Zeit längst Vergangenheit, aber evangelische Kirche und Theologie muss sich der Frage dennoch aufs Neue stellen, wo sie hier steht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Traugott Jähnichen hat jüngst in einem Aufsatz die Zeitgeistanfälligkeit des deutschen Protestantismus im Blick auf kirchenreformerische Entwicklungen untersucht. Für die Gegenwart sieht er in der Kirche – parallel zu Entwicklungen staatlicher Institutionen – das Vordringen ökonomischer, ja, neoliberaler Denkmuster. Hier zeigt sich für den Protestantismus ein – vielleicht grundlegendes, unüberwindbares – Dilemma: Es ist die Stärke evangelischer Theologie, sich sehr stark auf die jeweilige Lebenswelt einlassen zu können, ganz nah bei den Menschen sein zu können, immer wieder neu nach Worten zu suchen und um sie zu ringen, mit denen »Gott«, das »Evangelium«, der »Glaube« angemessen beschrieben werden können. Doch diese Nähe ist zugleich die große Schwäche des Protestantismus, denn so steht er immer in der Gefahr, bis zur Unkenntlichkeit mit der Gegenwart zu verschmelzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und heute steht die Kirche in der Gefahr, sich vom Ökonomismus bestimmen und verschlingen zu lassen, von Zahlen und Effizienz und vor allem: vom Zwang zu sparen.Wir hören: Sparen, sparen, sparen. Wir sparen unser Leben kaputt. Immer weiter machen wir mit dem Sparen. Auch in der Kirche. Auch die muss sparen. Immer weiter. Seit Jahren sparen wir schon. Eine Sparrunde folgt auf die nächste. Manchmal nennt man dies auch verschleiernd: Prioritätendiskussion. Mehr als die Hälfte meines beruflichen Lebens als Pfarrer bin ich mit Strukturfragen beschäftigt. Ich weiß nicht, in wie vielen Gremien ich gesessen habe, die sich mit Reformen beschäftigt haben, und Reformen, das hieß immer: sparen, sparen, sparen. Es waren auf jeden Fall mehr Stunden, als ich in Glaubens- oder Bibelseminaren mit Menschen über die Grundfragen des Lebens nachgedacht habe. Ich frage mich, was passieren würde, wenn ich anfangen würde, den Satz Gogartens pausenlos in solchen Kommissionen zu rezitieren: »Unser einziger praktischer Vorschlag, den wir machen, ist der: mit Entsetzen einzusehen, daß in der Lage, in der wie tatsächlich alle sind, gute Vorschläge nicht mehr helfen könnten.« Was soll das konkret heißen, würde ich wohl zu hören bekommen. »Buße tut Not, schweigen und nach Gott fragen«, müsste ich mit Gogarten sagen. Wahrscheinlich gäbe es ungläubiges Staunen, Schmunzeln, Achselzucken, vielleicht auch Gelächter. Und dann geht es weiter mit der Tagesordnung. Die muss abgearbeitet werden. Fristen rufen. Beschlüsse müssen umgesetzt werden. Einfach aufhören – und sei es nur für eine Weile –, nein, das scheint undenkbar. Und das Verrückte: Ich kann es verstehen, schließlich leite ich ja auch solche Gremien und kenne die Sachzwänge, die sich da die Türklinke in die Hand geben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwischen den Zeiten stehen heißt heute höchstwahrscheinlich erkennen, dass wir zeitgleich in verschiedenen Zeiten stehen. Doch welche Zeit gibt den Takt an?Die Stunde der Buße – für Gogarten eine Zeit, die Frage nach Gott neu zu stellen und offen zu halten. Misstrauisch zu werden gegen alles und jedes, das uns Erlösung, Beruhigung, Glück verspricht. Also zunächst erkennen statt formulieren, schweigen statt reden, zweifeln statt einfach-so-weiter-für-wahr-halten? Schwer aushaltbar in einer Zeit, in der Worte Legion geworden sind, sich jede und jeder jederzeit zu Wort melden kann... Und doch: Alles hat seine Zeit (Koh 3,1). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;VI.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;»Wir suchen nach etwas Anderem als nach Fortschritt, und es bewegt uns kein kulturinteressierter Opportunismus mehr. Wir haben deshalb auch keine Vorschläge, wie man es besser machen könnte. Die Praktiker werden ja alle danach fragen. Unser einziger praktischer Vorschlag den wir machen, ist der (…): mit Entsetzen einzusehen, daß in der Lage, in der wie tatsächlich alle sind, auch wenn es bis heute nur Wenige erkannten, gute Vorschläge nicht mehr helfen könnten.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir leben in einer Fassade, die brüchig geworden ist und täglich neue Risse erhält. Und wir machen weiter, obwohl wir genau wissen: Das, was wir tun, führt uns eher noch weiter an den Abgrund. Wir tun so, als wäre alles wie immer. Advent und Weihnachten stehen vor der Tür. Rituale sind ja auch wichtig für unser Leben, sie strukturieren Leben. Und doch: Beruhigen  sie uns nicht oft auch nur...? Wir machen einfach weiter. Mit seltsam gemischten Gefühlen, wir sehen die Fassade und die Leere dahinter, die Leere in dem Konsumversprechen, kauf nur, ganz egal was, und es geht dir gleich besser. Unbehaglich fühlen wir uns dabei. Aber was sollen wir sonst tun? Einfach aufhören, das geht ja nun auch nicht. Oder zumindest nicht so einfach. Doch die Unzufriedenheit nimmt genauso zu wie die Ratlosigkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht wäre es gut, wenn wir uns heute von Gogarten ermahnen lassen würden: »Wir haben noch keine Vorschläge und wir sollten uns hüten, zu sagen, was getan werden sollte.« Das erinnert mich stark an die Occupy-Bewegung, die sich gerade auch (erst) einmal allen Vorschlägen verweigert. Vielleicht liegt darin verborgen die Erkenntnis, dass jeder voreilige, lösungsorientierte Vorschlag doch nur Teil des alten, brüchigen Systems ist. Und vielleicht, ja vielleicht ist das laute »Nein!« das Gebot der Stunde zwischen den Zeiten. Also nichts tun? So wirklich gar nichts? Gogartens Formulierung legt dies vielleicht nahe. Aber gar nichts tun, das taten Gogarten und seine Mitstreiter auch nicht. Schließlich war auch damals am Sonntag zu predigen, Kinder waren zu taufen und Trauernde zu trösten. Aber sein Aufsatz war ein Weckruf, für sich selbst und andere: So kann es nicht weitergehen. Er stellt die Frage nach Gott neu und radikal, vielleicht offen und sehnsüchtig, und er und seine Mitstreiter fanden Gott dann auch erst einmal im »ganz Anderen«. Und diese radikale theologische Frage eröffnete später die Chance, im Nationalsozialismus und der mit ihm verbundenen Bewegung der »Deutschen Christen« das theologische Handwerkszeug zu besitzen, entschieden »Nein!« sagen zu können. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einer, der  ganz ähnlich und zugleich ganz anders formulierte, war Dietrich Bonhoeffer. 1943 schreibt er: »Es schien uns bisher zu den unveräußerlichen Rechten menschlichen Lebens zu gehören, sich einen Lebensplan entwerfen zu können, beruflich und persönlich. Damit ist es vorbei. Wir sind durch die Macht der Umstände in die Situation geraten, in der wir darauf verzichten müssen, ›für den kommenden Tag zu sorgen‹ (Matth. 6,34). (…) Uns bleibt nur der sehr schmale und manchmal kaum noch zu findende Weg, jeden Tag zu nehmen, als wäre er der letzte, und doch in Glauben und Verantwortung so zu leben, als gäbe es noch eine große Zukunft. (…) Denken und handeln im Blick auf die kommende Generation, dabei ohne Furcht und Sorge jeden Tag bereit sein zu gehen – das ist die Haltung, die uns praktisch aufgezwungen ist und die tapfer durchzuhalten nicht leicht, aber notwendig ist.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bonhoeffer argumentiert hier aus der für ihn todesgefährlichen Verstrickung in den Widerstand gegen das Nazi-Regime, einer Situation, die so für uns, für mich nicht zutrifft. Aber ist es nicht so, dass es für viele heute kaum noch möglich scheint, einen Lebensplan aufstellen zu können? Natürlich, auch »früher« gab es genügend Risiken, dass ein Plan nicht aufgeht. Das weiß auch Bonhoeffer und dennoch spricht er von dem unveräußerlichen Recht des Menschen, Lebensplanung betreiben nicht nur zu dürfen, sondern dies auch tun zu können. Junge Menschen stellen sich diese Frage heute angesichts ihrer beruflichen Aussichten. Wie leben, ohne planen zu können? Wie leben, ohne das – wenn auch brüchige – Versprechen der Gesellschaft: es gibt auch für dich einen Ort, eine Aufgabe, eine Herausforderung? Und wir, die Generation, der heutigen Handlungsträger? Wie sieht unsere Zukunft aus? Was können wir noch planen? Wie viel sind die angeblich ach so sicheren Vorsorgepläne für unser Alter wert? Und die heute Alten, sie zittern um ihre Renten und Pensionen, weil sie wissen, sie haben kaum noch Möglichkeiten, hier entscheidend die Weichen mit und anders stellen zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die heutige Zeit verspricht keine Zukunft mehr. Sie türmt immer höhere Lasten auf, indem sie Lösungen auf die Zukunft verschiebt. Finanzielle Lasten, Umweltlasten. Die Zukunft scheint vorbei, bevor sie begonnen hat. Doch gegen eine solche pessimistische Haltung wehrt sich Gogarten, er will zwischen den Zeiten die Frage nach Gott offen halten, hinhören in der Hoffnung auf neue Antworten. Er hofft auf Gott in einer Zeit, in der er ihn verloren hat. Und wenn wir ihm folgen, innehalten ohne Vorschläge, ohne Programme, dann beinhalten Buße und eine offene Fragehaltung die Chance, die eigene christliche Tradition zunächst selbst neu zu reflektieren und dann mit der Gegenwart ins Gespräch zu bringen. Ansätze dafür gibt es. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ina Praetorius setzt sich z.B. dafür ein, die »Welt als Haushalt« zu verstehen und ich finde, sie hat völlig recht. Haushalte sind ursprünglicher als Märkte, sie sind, wenn man so will, »natürlicher«: Menschen wachsen in Haushalten auf, bevor sie auf Märkte gehen können. Haushalte leisten eine Grundversorgung menschlicher Bedürfnisse vom Geburt bis zum Tod. Es geht ihr nicht darum, den Privathaushalt zu glorifizieren oder als direktes Vorbild für gesellschaftliches Handeln anzusehen. Genau sowenig geht es ihr darum, das Haushaltswesen unseres politischen Systems zu verabsolutieren. Diese begriffliche Nähe ist sicher ein Schwachpunkt im Leitbild einer Welt, die sich als Haushalt verstehen will, weil »Haushalt« oftmals auch mit Verschwendung und Missmanagement in Verbindung gebracht wird. Nein, sie möchte den Haushalt als ein Leitbild für leben, arbeiten, wirtschaften im Ganzen  ansehen. So wird eine Vision aufgespannt, der Welt ein Rahmen gesetzt für Tun und Lassen. Ein Rahmen, der sich absetzt von der unerträglich gewordenen Durchdringung so gut wie aller Lebensbereiche durch marktförmiges Denken, welches in den letzten zwanzig Jahren offen und verdeckt vorangetrieben worden ist und dessen grundlegendes Scheitern immer offenbarer wird. Praetorius dreht mit diesem Leitbild die Sache um, es wird auf die Beine gestellt, was auf dem Kopf stand. Andere sprechen hier von Nachhaltigkeit, aber ich finde, die »Welt als Haushalt« zu begreifen, ist anschaulicher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was aber tun? Anschauung allein reicht nicht. Selbst wenn es – noch – keine Vorschläge gibt, geben kann und vielleicht auch noch nicht geben sollte, wohin »die Welt« treibt, stellt sich doch Tag für Tag tausendfach die ganz konkrete Frage: Was tun? Wir können ja nicht nicht handeln. Aber wir können nun die Frage präziser stellen: Wie haushälterisch leben, handeln, wirtschaften, arbeiten? Ina Praetorius beantwortet diese Frage so: »Im ausgehenden Patriarchat gut zu handeln, heißt deshalb, vertrauensvoll und unbeein­druckt von Widersprüchen immer neue Anfänge in die Welt zu setzen, die das Zusammen­leben auf die eine oder andere Art stützen und nähren wollen, wohl wissend, dass die und ›der Handelnde so gut wie niemals die Ziele, die ihm ur­sprünglich vorschwebten, in Reinheit‹ verwirklichen kann.« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das erinnert mich doch sehr an Luthers Apfelbäumchen und Bonhoeffers Suche nach dem schmalen Weg. Der Weg in die Zukunft kann in einer Zeit zwischen den Zeiten vermutlich nicht anders gegangen werden. Schrecklich auf der einen Seite, weil Schritte in tiefer Dunkelheit immer nur tastend, vorsichtig und angstbesetzt gegangen werden können. Entlastend auf der anderen Seite, wenn so etwas wie Glaube an Gott den Rahmen allen Tun und Lassens abgibt und so schon, wenn auch allgemein und nicht konkret, das Ziel beschreibbar wird nämlich das gute Leben aller an allen Orten in einer Welt, die sich als Haushalt begreift. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und das mag vielleicht zunächst bedeuten, dem Geist des Ökonomismus zu wehren in kleinen Schritten. Diesem Geist, der uns alle so durchdrungen hat, dass wir alles und jedes abwerten, das nicht in Geld aufgewogen werden kann. Und vielleicht wird unser Zusammenleben dadurch zu bereichern sein, dass wir erkennen, materielle Güter haben wir mehr als genug, aber in einer Zeit, in der es an »Geld« merkwürdigerweise mangelt, können auch geistige und seelische Güter »satt« machen. Haushalte sind ursprünglicher als Märkte, und was jedes neugeborene Menschenkind dort lernt, ist nicht mit Geld aufzuwiegen. Wäre es aus dieser Perspektive der »Geburtlichtkeit«, wie Ina Praetorius dies nennt, vielleicht an der Zeit, sich ganz gezielt all den Dingen zuzuwenden, die sich nicht in Zahlen übersetzen lassen? Güter zu entwickeln, die nicht zu bezahlen sind? Auch dafür gibt es bereits Ansätze und Erfahrungen. Peter Plöger hat gerade ein ganzes Buch dazu geschrieben, in dem er eigentlich nichts anderes tut, als praktische Beispiele für ein gutes Leben im Aufbruch in eine neue Gesellschaft zu beschreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: center;"&gt;VII.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;»Der Raum wurde frei für das Fragen nach Gott. Endlich. Die Zeiten fielen auseinander und nun steht die Zeit still. Einen Augenblick? Eine Ewigkeit?« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Friedrich Gogarten fühlte sich zwischen den Zeiten stehend. Seine Welt war zerbrochen in ein Gestern und ein Morgen, zwischen denen für ihn keinerlei Anknüpfungspunkt, keine Brücke, keine Kontinuität zu existieren schien. Für ihn stand die Zeit daher still. Auch ich fühle mich zwischen den Zeiten. Aber anders. Die Zeit zerfällt nicht in Blöcke, in ein untergehendes Gestern und ein noch nicht fassbares Morgen. Nein, wir stehen heute anders zwischen den Zeiten. Sicher, das Gestern ist noch sehr lebendig und das Morgen nicht recht greifbar. Aber das Heute ist geprägt durch die Gleichzeitigkeit all dieser Zeiten. Das Gestern ist noch mächtig, aber das Morgen beginnt in vielen kleinen Neuanfängen bereits in der Gegenwart. Und so kann vielleicht heute die Frage nach Gott offen gehalten und gestellt werden, zur Buße gerufen werden und zugleich können Neuanfänge in die Welt gesetzt werden, im Vertrauen darauf, dass sich aus vielen neuen Anfängen  ein schmaler Weg abzeichnen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.matthias-jung.de/Zwischen%20den%20Zeiten.pdf" target="_blank"&gt;&lt;span style="font-size: large;"&gt;Den Text gibt es mit Literaturhinweisen auch unter diesem Link&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-4074623267694017186?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/4074623267694017186/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/zwischen-den-zeiten-in-unruhigen-zeiten.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/4074623267694017186'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/4074623267694017186'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/zwischen-den-zeiten-in-unruhigen-zeiten.html' title='»Zwischen den Zeiten« in unruhigen Zeiten  -  Essayistische Relektüre eines Textes von Friedrich Gogarten'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-5274951933609852884</id><published>2011-11-22T22:31:00.001+01:00</published><updated>2011-11-22T22:41:50.231+01:00</updated><title type='text'>Vortrag über Simone Weil von Antje Schrupp</title><content type='html'>Heute Abend habe ich einen Vortrag von Antje Schrupp über Simone Weil hier im Voerder Rathaus im Rahmen der Veranstaltungen zur Ausstellung des Frauenaltars von Candace Carter gehört. Simone Weil kannte ich bis dato nur vom Namen her und war fasziniert von der Vielschichtigkeit dieser Frau, die Antje Schrupp anschaulich dargestellt hat. Eine Menge von Gedanken und Eindrücken sind hängen geblieben. Nur einige notiere ich hier noch schnell:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;...es war Simon Weil egal, was andere über sie dachten, kompromisslos trat sie für das ein, was sie für wahr hielt. Darüber wurde auch in der Runde noch einmal sehr intensiv nachgedacht. Wie kam sie dazu, ein solches Selbstbewußtsein zu haben? Antje Schrupp meinte dazu, es war die Liebe ihrer Eltern, die sie stets unterstützt haben. Und zwar so, dass sie ihr verdeutlichten, unsere Liebe und Unterstützung hängt nicht von dem ab, was du tust, sie gilt dir auf jeden Fall. Eine Teilnehmerin bemerkte dazu: Wie würde unsere Welt aussehen, wenn es viel mehr solche Eltern gäbe...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;...sie war davon überzeugt, dass die Unterdrückten nicht dann zur Revolte schreiten, wenn die Unterdrückung unerträglich wird, sondern erst dann, wenn sie einen Hauch von Freiheit spüren. Erinnerte mich an manches, dass ich bei Frithjof Bergmann gelesen hatte: Frag die Menschen ehrlich und aufrichtig nach dem, was sie wirklich, wirklich wollen, denn darin liegt der Kern aller Motivation zu arbeiten, sich zu engagieren. Und es ist ja die verrückte Erfahrung, die Bergmann und seine Mitstreitrer/innen machen, wenn sie diese Frage stellen, dann lautet die Antwot nicht selten: "Das hat mich noch nie jemand gefragt!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;...dieses eigentlich furchtbare und doch realistische Bild von der Schwerkraft, die auch unsere Gedanken nach unten zieht. Dazu fand ich beim Rumstöbern grade im Netz diese beiden Zitate: &lt;br /&gt;»Wenn ein Mensch sich von Gott abkehrt, liefert er sich der Schwerkraft aus. Er glaubt dann noch zu wollen und zu wählen, aber er ist nur noch eine Sache, ein fallender Stein.« &lt;br /&gt;»Die Schwerkraft des Geistes lässt uns nach oben fallen.«&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;...Simone Weil vertrat die Auffassung, dass es wichtig ist, dass Menschen in ihrer Kultur verhaftet sind. Das heißt vor allem und zunächst heißt, in der eigenen Muttersprache beheimatet zu sein. Dies wurde am Beispiel von Migrant/inn/en verdeutlicht: es geht nicht darum, dass zB türkische Kinder Deutsch lernen müssen, dass müssen sie ganz sicher, wenn sie in Deutschland (oder anderswo) klarkommen wollen. Aber, und dieser Gedanke war für mich sehr neu aber sehr einleuchtend, weil er auch auf manche deutsche Kinder zutrifft: es ist für die Entwicklung von Denken und Handlungsfähigkeit von grundlegender Bedeutung, dass Kinder ihre Muttersprache erlernen – denn dann können sie später (mehr oder weniger) leicht auch andere Sprachen erlernen. Eine Teilnehmerin erzählte von einem Radiobeitrag, denn sie just heute gehört hatte: in einigen Städten wird inzwischen Unterricht in kurdischer Sprache angeboten. Es wurde von hier im Exil lebenden Kurden berichtet, für die dieser Unterricht eine Offenbarung sondersgleichen darstellt: in der Türkei gab es keinen Unterricht, viele sind Als Analphabeten in ihrer Muttersprache hierher gekommen und machen jetzt die Erfahrung, in dieser ihrer Sprache lesen und schreiben zu lernen...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;...und vor allem kam da eine solche Menschlichkeit, eine Aufmerksamkeit für Kleinigkeiten, das Interesse an Menschen und ihren Lebenssituationen und die damit verbundene Kritik an Programmen und Ideologien aller Art herüber, die dann doch auch wieder Mut macht, trotz all der Dunkelheiten in der Welt, die den Pessimismus Vorschub leisten, morgen wieder weiter zu machen, neue Anfänge zu wagen, nicht aufzugeben, nicht zu verzweifeln...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-5274951933609852884?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/5274951933609852884/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/vortrag-uber-simone-weil-von-antje.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5274951933609852884'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5274951933609852884'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/vortrag-uber-simone-weil-von-antje.html' title='Vortrag über Simone Weil von Antje Schrupp'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-7344283813364878425</id><published>2011-11-14T19:48:00.001+01:00</published><updated>2011-11-14T20:24:09.049+01:00</updated><title type='text'>Gedanken zum Essay "Sog der Masse" von Harald Martenstein</title><content type='html'>Harald Martenstein hat in der ZEIT von letzter Woche einen sehr bedenkenswerten Artikel über den Mainstream geschrieben. Normalerweise lese ich am Donnerstagmorgen nur die Überschriften mal flüchtig, aber hier blieb ich hängen und habe das ganze Dossier komplett gelesen. Heute ist es auch auf zeit.de erschienen ( &lt;a href="http://www.zeit.de/2011/46/DOS-Mainstream" target="_blank"&gt;Sog der Masse&lt;/a&gt; ), und da ich in den letzten Tagen sehr häufig darüber nachgedacht habe und heute Abend Zeit habe, habe ich meine Gedanken mehr oder weniger unsortiert zu einigen Zitaten notiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»Weil die Geschichte immer weitergeht, werden meine heutigen Meinungen den Nachgeborenen wohl auch seltsam vorkommen. Ich weiß, dass ich in den Augen der Zukünftigen eine lächerliche Figur bin. Diese Erkenntnis macht mich demütig. Leute, die eine Meinung mit großer Selbstgewissheit vertreten, ohne die Spur eines Zweifels, so, als ob es kein Morgen gäbe, kommen mir dumm vor. Die einzige Haltung, die garantiert jeder Revision standhält, ist vermutlich der Zweifel. (…) Darüber, welche Meinung gerade die allgemein übliche ist, informieren die Massenmedien. Die Meinungsmacher dort sind aber auch nur Leute wie alle anderen. Sie tendieren dazu, die Meinungen und die Themen anderer Meinungsmacher zu übernehmen (…). Sie trauen ihren eigenen Augen nicht. (...) Weil der Mainstream heute die normative Rolle übernommen hat, die früher von Traditionen und Sittengesetzen gespielt wurde, tendiert man dazu, vom Mainstream abweichende Meinungen als unmoralisch zu verurteilen.«&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Als ich das las, musste ich erst mal schmunzeln. Aber er hat ja so recht. Weil die Geschichte immer weitergeht, vergessen wir auch so schnell. Immer neue Ereignisse, Bilder, Geschichten, Personen treten auf die Bühne – und sind genauso schnell wieder verschwunden. Martenstein spricht von Demut und der Haltung des Zweifels. Gefällt mir als evangelischer Christ natürlich gut. Aber das durchzuhalten, ist so schwer. Die »Masse« will einfache, klare Antworten. Ich habe es schon auf Versammlungen erlebt, ich versuche einen komplizierten Sachverhalt darzustellen und nach zwei Minuten tönt es aus dem Saal: »Wir wollen keine langen Reden hören!« Da ist so eine Sehnsucht nach Einfachheit in unserer Welt. Und es wäre ja auch so schön, wenn endlich mal wieder etwas EINFACH wäre. Oder nicht? Ist es aber nicht. Deswegen versuche ich immer wieder, meine eigenen – derzeitigen – Positionen mit dem Zweifel zu beharken. So habe ich zumindest das Gefühl, ich entwickele meine Gedanken weiter und versuche der Versuchung zu wehren, meine Positionen absolut zu setzen. Doch wehe, ich wage solch eine vorsichtige, abwägende, zweifelnde Position in einer Diskussion um – was auch immer – zu beziehen. Es löst bei manch einem, manch einer sofort Irritationen, Wut, das Gefühl im Stich gelassen zu werden, aus. Und dann kommt es schnell zu &amp;nbsp;»unmoralischen«&amp;nbsp; Reaktionen, Tritten unter die Gürtellinie. Vermutlich ein Preis, den Menschen zahlen müssen, die heute in der Öffentlichkeit stehen. Ob es früher anders war, weiß ich aber nicht, das müssen andere beurteilen. Andererseits: Spreche ich mit einem Menschen über kompliziertere, strittige Fragen mal länger, sagen wir eine Stunde, dann erlebe ich es oft, dass sich irgendwann die Spannung löst, Verstehen einsetzt und wir dann schließlich gelöst auseinander gehen. Keineswegs hat der eine den anderen oder umgekehrt überzeugt, aber solche Gespräche enden oft mit dem gemeinsamen Seufzer: »Es ist aber auch schwierig!« &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»Lange vor den großen Verbrechen der Nazis und des Stalinismus vertrat Le Bon die Theorie, dass ›gutmütige Bürger, die normalerweise ehrsame Beamte geworden wären‹, in der Masse zu den grausamsten Verbrechen fähig sind. Die Masse ist nicht nur dumm. Sie kann auch gefährlich sein. 1895 wurde das Kino gerade geboren, ans Fernsehen dachte keiner. Trotzdem hat Le Bon über die Entstehung von Massenmeinungen den erstaunlichen Satz geschrieben: ›Die Massen können nur in Bildern denken.‹ Bilder transportieren Emotionen, nur Emotionen bewegen Massen. Logik ist zu kompliziert für sie. Die zweite Grundregel zur Überzeugung der Massen – Le Bon spricht lieber von ›Hypnose‹ als von ›Überzeugung‹ – heiße Wiederholung. Man muss einfache Botschaften und starke Bilder oft genug wiederholen. Dieses Rezept wird immer wirken.«&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Spannender Gedanke. Von Le Bon habe ich zwar schon gehört, dass er den Bildern aber solche eine Bedeutung zuspricht, ist mir neu. Mir fiel sogleich folgendes Zitat von Franz-Josef Radermacher ein:&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»(Es) ist zu beachten, dass es den Marktfundamentalisten gelungen ist, ihre Position über manipulierte Bilder tief in den Gehirnen vieler Menschen zu verankern.« (Franz Josef Radermacher, Balance oder Zerstörung. Ökosoziale Marktwirtschaft als Schlüssel zu einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung, S. 243)&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;Ich habe in diesem Jahr viel über Bilder nachgedacht, die in unseren Köpfen sitzen, die wir von den Wirtschaftsmächtigen eingepflanzt bekommen. Ich gestehe, ich träume von einem iPhone (meine Frau kann ein Lied davon singen...). Dabei habe ich mit dem Teil weder genauer beschäftigt und brauchen, also brauchen tue ich es wahrlich nicht. Trotzdem hätte ich gerne eins. So ist das mit den Bildern und den Sehnsüchten, die dadurch geweckt werden. Und ich frage mich, wer entwickelt die Gegenbilder? Eine Sysiphusarbeit, keine Frage. Aber notwendig. Gestern in der Predigt zu Volkstrauertag ( &lt;a href="http://www.matthias-jung.de/Jeremia%208.html" target="_blank"&gt;Predigt zu Jeremia 8&lt;/a&gt;&amp;nbsp;) habe ich den Gedanken entwickelt, Zelte von Bankentürmen, das sei so ein Gegenbild gegen den Mainstream. Oder die Mülltaucher, die mit Gummistiefeln in Container bei Aldi oder Lidl klettern, um gegen den Wahnsinn zu protestieren, was wir so alles wegwerfen. Gegen-Bilder. Einfache Botschaften und starke Bilder immer wieder wiederholen. In dem Sinn macht die Occupy-Bewegung alles richtig...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote class="tr_bq"&gt;»Bei den einfachen Fragen ist der Publikumsjoker fast immer eine sichere Sache. Aber je komplizierter es wird, desto öfter irrt sich die Mehrheit. Es ist dann klüger, jemanden anzurufen, der Ahnung hat. Eine Einzelperson. Das Leben ist natürlich oft ziemlich kompliziert. Trotzdem haben wir unser Leben weitgehend dem Publikumsjoker untergeordnet.«Kompliziert ist unsere Welt wahrlich geworden, o ja. Die Mitglieder »meines« Presbyteriums stöhnen zu Recht über immer kompliziertere und komplexere Sachverhalte, über die sie zu beraten und zu entscheiden haben. Immer häufiger höre ich nach einer Sitzung: »Eigentlich war das doch unzumutbar, was wir da heute wieder an Tagesordnungspunkten durchgezogen haben, und es bleibt bei mir ein ungutes Gefühl, wirklich verstanden habe ich wahrlich nicht alles,  –  entscheiden, die Hand heben, hierfür oder dafür, das musste ich am Ende denn dann doch. Aber es bleibt ein mulmiges, ungutes Gefühl, der Zweifel....« &lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Was ziehe ich daraus an Konsequenzen? Abschaffung demokratischer Prozesse? Doch wer garantiert denn, dass ein »Diktator« – ganz gleich auf welcher Ebene unseres Lebens, sei es in Regierungen, Städten, Vereinen, Kirchengemeinden, das Richtige tun wird? Niemand. Und es stellt sich ja auch gleich die Frage: Was ist das Richtige? Vielleicht ist es dann auch nicht so sehr die Fragen wie mein Nachbar denkt (das auch), aber ich glaube, bei der Frage komplizierter Entscheidungen geht es um das Vertrauen. Ich vertraue dem oder der – und dann stimme ich ihm oder ihr halt zu.... Mainstream des Vertrauens. Kann es nicht sein, dass wir dazu neigen, uns den immer komplizierter werdenden Sachfragen dadurch zu entziehen, dass wir nach Vertrauen zu der Person entscheiden? Umso schrecklicher, wenn dann das Vertrauen in die Brüche geht, durch Fehlverhalten oder durch gezielte Kampagnen. Abweichungen vom Mainstream sind unmoralisch. Schnell ist da von »unverantwortlichem« »katastrophalen«, »unseriösen« Verhalten von Entscheidungsträgern die Rede, das kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Guttenberg war ein gutes Beispiel dafür, erst wurde er in den Himmel gehoben und dann gnadenlos fallen gelassen. Gut, er nährte Zweifel an seiner Integrität, da er zu zögerlich mit der Wahrheit herausrückte. Aber entlud sich nicht auch eine Art von Enttäuschung über den Hoffnungsträger? Margot Käßmann ist das umgekehrte Beispiel.&lt;br /&gt;Vielleicht will die Masse gar keine sachlich abgewogenen Entscheidungen, sondern sie sucht eine Schulter, an der sie sich anlehnen kann. Verständlich und gefährlich zugleich...&lt;br /&gt;So schwer es oft fällt, der Streit über die Wahrheit muss immer neu, jeden Tag geführt werden. Weder einfache Antworten noch den angebliche starke Schulter sind da eine sinnvolle Alternativen. Dennoch: »schöne« Aussichten für Querdenkern oder »Reaktanten«, wie Martenstein sie nennt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Harald Martenstein spricht an der ein oder anderen Stelle davon, dass ihm das Nachdenken über den »Sog der Masse«, den Mainstream, Angst macht. Mir geht es genauso. Aber zugleich frage ich mich: ist das nicht reichlich arrogant von mir? Stelle ich mich damit nicht über die Masse? Ja, erwischt. Aber zugleich: Da ist er wieder, der Zweifel. Morgen lese ich das hier dann noch mal nach. Vielleicht schreibe ich dann einen Kommentar dazu – weil ich schon wieder anderer Meinung bin.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-7344283813364878425?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/7344283813364878425/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/gedanken-zum-essay-sog-der-masse-von.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/7344283813364878425'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/7344283813364878425'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/gedanken-zum-essay-sog-der-masse-von.html' title='Gedanken zum Essay &quot;Sog der Masse&quot; von Harald Martenstein'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-3808117640487614968</id><published>2011-11-13T18:37:00.000+01:00</published><updated>2011-11-13T18:37:45.125+01:00</updated><title type='text'>Volkstrauertagsrede</title><content type='html'>Auf der heutigen Gedenkstunde auf dem Voerder Soldatenfriedhof hat Sabine Weiss, MdB eine bemerkenswerte Rede gehalten. Sie schaffte es, den Bogen vom Gedenken an die Toten vergangener Kriege bis zu den heute in Afganistan sterbenden deutschen Soldaten zu spannen. Eindrucksvoll ihre Worte, als sie von ihrer Mitverantwortung als MdB für die Verlängerung des Mandats und die verbundene Erschütterung sprach, weil ihr klar ist, mit meiner Zustimmung im Bundestag schicke ich Menschen dorthin, und einige in den Tod.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit verbunden sprach sie sich für eine Erneuerung der "Rituale" am Volkstrauertag aus. Angesichts der Tatsache, dass heute deutsche Soldatinnen und Soldaten unter Lebensgefahr am Hindukusch in einem Kriegsgebiet orperieren, machte sie sich dafür stark, dass der Volkstrauertag auch wieder zu einem aktuellen Gedenktag werden könne - und müsse. Auch vor der unabweisbaren Tatsache, dass Krieg ín unzähligen Regionen der Welt Tag für Tag stattfindet - sie zählte über zwanzig Kriegsschauplätze auf. Sie erinnert aber auch an den gewaltfreien Widerstand im arabischen Frühling und anderes mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sabine Weiss hat mir aus dem Herzen gesprochen. Ich habe in zwanzig Jahren viele Gedenkreden auf diesem Friedhof gehört, der seinerzeit anläßlich des Rheinübergangs durch die Allierten 1945 angelegt wurde. Darunter waren viele gute - die heutige war dennoch mit Abstand die beste Rede. Bleibt zu hoffen, dass sie auch bei anderen Zuhörerinnen und Zuhörern Eindruck hinterlassen hat und wir bei der Vorbereitung für 2012 da noch einmal drauf zurückkommen können. Ich werde es auf jeden Fall ansprechen, wenn es so weit ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-3808117640487614968?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/3808117640487614968/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/volkstrauertagsrede.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/3808117640487614968'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/3808117640487614968'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/volkstrauertagsrede.html' title='Volkstrauertagsrede'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-8647389935283102169</id><published>2011-11-10T21:35:00.000+01:00</published><updated>2011-11-10T21:35:06.697+01:00</updated><title type='text'>Gedenkstunde zur Reichskristallnacht</title><content type='html'>Habe heute Abend an einer eindrucksvollen Gedenkstunde in der Voerder Kirche teilgenommen. Markus Gehling und Harald Eickmeier haben Texte gelesen, Bilder aus Konzentrationslagern gezeigt, jüdische Musikstücke gespielt.&lt;br /&gt;Am Ende luden sie ein, kleine Steine mit sich zu nehmen und bei sich zu tragen, bis man an einem jüdischen Friedhof vorbei kommt und dort auf einem Grabstein die Steine ablegt. Tolle Idee, dachte ich und nahm zwei Steine mit. Beschloss spontan, im Januar beim nächsten Heimatbesuch in Wetzlar den dortigen jüdischen Friedhof zu besuchen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-8647389935283102169?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/8647389935283102169/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/gedenkstunde-zur-reichskristallnacht_10.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/8647389935283102169'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/8647389935283102169'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/gedenkstunde-zur-reichskristallnacht_10.html' title='Gedenkstunde zur Reichskristallnacht'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8811649444442298829.post-5130909875186939341</id><published>2011-11-10T21:32:00.000+01:00</published><updated>2011-11-10T21:32:43.649+01:00</updated><title type='text'>Blog eröffnet</title><content type='html'>Schreiben ist ja eine meiner Leidenschaften. So habe ich mich entschlossen, neben der umfangreicheren Website auch ein Blog zu führen und kleiner Begebenheiten, Eindurcke und Einfälle hier in knappen Texten zu veröffentlichen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8811649444442298829-5130909875186939341?l=matthias-jung.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://matthias-jung.blogspot.com/feeds/5130909875186939341/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/blog-eroffnet.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5130909875186939341'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8811649444442298829/posts/default/5130909875186939341'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://matthias-jung.blogspot.com/2011/11/blog-eroffnet.html' title='Blog eröffnet'/><author><name>Matthias Jung</name><uri>http://www.blogger.com/profile/08359838206883923764</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://3.bp.blogspot.com/-b3UkFOE4Avs/Trw4lS2n5JI/AAAAAAAAACU/rvX68qZopbE/s220/Matthias%2BJung.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
